Schwäbische Kratzete mit Heidelbeer-Kompott

Ich liebe ja alte und ursprüngliche Gerichte über alles (wie z.B. Zwetschgenknödel). Vor allem deshalb, weil man früher noch saisonale Zutaten verwendet hat. Supermärkte mit Produkten aus aller Welt gab es halt noch nicht und viele Zutaten waren schlichtweg gar nicht das gesamte Jahr über verfügbar.

Im Sommer, wenn die Beeren Hochsaison haben, erinnere ich mich total gerne daran, wie meine Oma von früher erzählt hat. Wie sie als Kinder tagelang zum Beeren pflücken unterwegs waren und körbeweise Brombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und auch Heidelbeeren nach Hause getragen haben. Die wurden dann zu Marmeladen und Kompott eingekocht. Und das Kompott gab es dann zu den verschiedensten Mehlspeisen. Die waren günstig und deshalb konnte sich das jede Familie leisten.

Eine dieser Mehlspeisen, die bei uns in Schwaben sehr verbreitet war, ist die (oder der? oder das? – Bitte, klärt mich mal jemand auf?) Kratzete. Das ist im Grunde wie ein Keiserschmarren. Nur werden für die Kratzete keine Rosinen verwendet und man isst das Ganze nicht nur in der süßen Variante, sondern auch herzhaft. Traditionell wohl sogar auch zu Spargel – auch wenn ich das so noch nirgendwo gesehen habe. In jedem Fall ist das Rezept für Kratzete super, um damit die Heidelbeersaison zu feiern. Also, nix wie ran ans Retro-Kochen:

Nachhaltigkeits-Tipp

Achtet beim Kauf von Heidelbeeren darauf, dass ihr Produkte aus der Region verwendet. Die meisten Heidelbeeren, die ihr im Supermarkt bekommt, sind aus Nordamerika importiert und in Plastik verpackt. Für die Umwelt natürlich nicht wirklich gut. Ab und an könnt ihr auch noch wilde Heidelbeeren im Wald finden. Den Unterschied zu den Kulturheidelbeeren aus dem Supermarkt erkennt ihr sofort. Sie sind nämlich durch und durch blau gefärbt, während das Fruchtfleisch bei Supermarkt-Heidelbeeren meist total blass ist. Falls ihr einen Hotspot mit wilden Heidelbeeren gefunden habt, dann behaltet diesen auf jeden Fall für euch. Die sind nämlich heiß begehrt und sonst schneller weg, als ihr schauen könnt.

Und was ist mit dem Fuchsbandwurm?

Ja es gibt den Fuchsbandwurm und ja es wird immer wieder gepredigt, dass man beim Sammeln von wilden Beeren vorsichtig sein soll. Kein Wunder, der Fuchsbandwurm kann für den Menschen wirklich sehr gefährlich sein. Trotzdem konnte bis heute noch nicht geklärt werden, wie der Fuchsbandwurm auf den Menschen übertragen wird. Das Sammeln von Beeren oder Pilzen ist in keiner Studie als Risikofaktor identifiziert worden. Wenn ihr Waldfrüchte sammelt, dann wascht diese gründlich und erhitzt diese immer auf über 60°C – damit solltet ihr safe sein (Quelle: Bayrisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) und könnt euch die Beeren guten Gewissens schmecken lassen.


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5 Kommentare

  1. Danke für die Idee das Ganze auch mal in der salzigen Variante mit Spargel zu probieren. Werde ich sicherlich im nächsten Jahr ausprobieren. Ich gehe jedes Jahr in den Wald und hole mir dort Schwarzbeeren (Heidelbeeren). Mitten im Wald mache ich mir keine Sorgen über eine eventuelle Abgasbelastung oder den Fuchsbandwurm. Dafür bin ich mir sicher, dass keine Pflanzenschutzmittel enthalten sind. LG Glitzer

  2. Kratzete – das habe ich ja noch nie gehört! Aber eigentlich ist das ein Kaiserschmarrn, nur dass – zumindest ich – dabei kein Backpulver verwende.
    Der Fuchsbandwurm kann ein Problem sein. Aber noch bedenklicher finde ich Umweltbelastungen durch Abgase und an manchen Orten auch noch Strahlung, die auch noch lange nach Tschernobyl existiert. Deswegen sind mir die Heidelbeeren aus einer Zucht lieber. Zumindest, wenn ich sie roh essen möchte.
    LG
    Sabienes

    1. Author

      Na es ist nicht eigentlich ein Kaiserschmarrn. Weil Kaiserschmarrn wird süß gemacht und auch süß gegessen. Kratzete nicht. Man kann das mit süßen Beilagen essen, aber traditionell gibt es Kratzete zum Spargel.

      Zum Thema Fuchsbandwurm: Mit den Abgasen hast du natürlich recht. Man sollte Beeren nicht gerade direkt an der Straße sammeln. Im Wald hab ich da allerdings keine Bedenken.

  3. Liebe Dila – nein, ich glaube nicht, dass Kratzete ein Schwäbisches Gericht ist. Man ist Spargel mit Kratzede in Südbaden, vor allem im Markgräflerland – wo man die Kratzede dann auch häufig auf den Speisekarten sieht.
    http://markgraeflerin.wordpress.com/2014/04/09/unser-erster-spargel-2014-mit-barlauch-kratzede-und-mayo/Allerdings habe ich bei uns noch kaum eine süße Variante gesehen. Das ist dann wirklich eher ein Kaiserschmarren, wie Du schon schreibst. Pfannkuchen und süß (Kirschen, Apfelkompott, Zwetschgenkompott usw.) sind weit verbreitet, ebenso die Apfelküchle. Dazu gibt es dann Vanillesauce… http://markgraeflerin.wordpress.com/2013/07/20/markgrafler-chriesi-pfannchueche-kirschpfannkuchen/
    Grüße aus dem Markgräflerland – Karin

    1. Hmmm das ist so nicht ganz richtig. Mittlerweile wurde mir von zig Seiten bestätigt, dass Kratzete sehr wohl ein schwäbisches Gericht ist. Unter anderem bekannt als „schwäbischer Schmarren“ oder auch als „Durchanander“… Und es wird durchaus auch süß gegessen.

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