Gemüse zuhause anbauen – Wie du dir echtes Schrebergartenfeeling nach Hause holst

Ich wage mal die unerfreuliche Prognose, dass das Jahr 2020 so ziemlich gelaufen ist. Corona hat ganze Arbeit geleistet und in nahezu jedem Bereich alles über den Haufen geworfen, was man sich für dieses Jahr so vorgenommen hat. Und keiner von uns weiss so ganz genau, wann wir überhaupt wieder einen Hauch von Normalität ins Leben zurück bekommen.

Viele Menschen nutzen die Zeit des Lockdowns und gehen Zuhause die verschiedensten Projekte an. Frühjahrsputz, Renovierung, endlich mal die Lampe im Schlafzimmer aufhängen (also macht der Göttergatte hoffentlich demnächst wirklich mal), Mundschutz nähen… Irgendwann ist man aber auch mit der größten Aufgabe fertig. Und was dann? Mein Tipp gegen die Langeweile: Gärtnern.

Gartenarbeit: Ein WinWin wie aus dem Lehrbuch

Gärtnern ist eine Never-Ending-Story. Und was sonst schonmal ein bisschen Nervig sein kann, ist aktuell wirklich Gold wert. Beim Gärtnern hat man einfach immer was zu tun und wird für seine Arbeit letztendlich auch noch reich belohnt. Bewegung gibt es oben drauf auch noch gratis. Ein „WinWin“ wie aus dem Lehrbuch quasi.

Jetzt ist aber natürlich nicht jeder mit einem Garten vor dem Haus oder – so wie ich – mit einer Parzelle im Kleingarten gesegnet. Auf das Kleingartenfeeling muss deshalb aber trotzdem niemand verzichen, wer Gemüse zuhause anbauen will, kann das ohne Probleme auf dem Balkon oder sogar direkt in der Wohnung machen. Und große Vorkenntnisse braucht man dazu auch nicht.

Gemüse zuhause anbauen: Tipps für den Balkon

Wenn ihr einen Balkon habt, dann seid ihr für das Zuhause-Kleingarten-Feeling optimal ausgerüstet und könnt euch so richtig austoben. Es gibt unzählige Obst- und Gemüsesorten, die sich hervorragend für den Anbau auf dem Balkon eignen und sich in Töpfen, Blumenampeln, Schalen oder Blumenkästen pudelwohl fühlen. Am besten arbeitet ihr mit Gefäßen in unterschiedlichen Höhen, damit ihr möglichst viele verschiedene Sorten unterbringen könnt. Nutzt dabei auch Hocker, Regale, Stangen und Hängeampeln. So nutzt ihr den begrenzten Platz auf dem Balkon super aus.

Welches Pflanzgefäß für was?
  • Blumenkästen am Balkongeländer eignen sich hervorragend zum Anbau von Kräutern jeglicher Art. Auch Salate wachsen dort super. Selbst Spinat und Radieschen könnt ihr in Blumenkästen anbauen. Für den Kauf empfehle ich Kästen mit Bewässerungssystem (Amazon Affiliate Link). Die sind zwar etwas teurer, aber sie verfügen über einen Wasserspeicher und eine Wasserstandsanzeige. Gerade währen der heißen Zeit des Jahres lauft ihr damit weniger Gefahr, dass eure Pflanzen vertrocken.
  • Hochbeete sind prima, wenn ihr auf eurem Balkon ausreichend Platz habt. Sie schaffen euch jede Menge Platz für Pflanzen wie Zucchini, Kürbis, Tomaten, Gurken, Bohnen und Erbsen. Ja sogar Süßkartoffel oder Melonen sind in Hochbeeten möglich. Ich selbst mag am liebsten die LowBudget-Version von Hochbeeten (eine Bauanleitung dazu hab ich hier bereits mal veröffentlicht: DIY-Hochbeet), aber für die Nutzung auf einem Balkon empfehle ich kleinere Varianten wie z.B. dieses Holz-Hochbeet mit Ablage oder Pflanzregale (Amazon Affiliate Link).
  • Große Pflanzkübel dürfen meiner Meinung nach auf dem Balkon ebenfalls nicht fehlen. In diesen lassen sich ebenfalls viele Obst- und Gemüsesorten wie Zucchini, Tomaten, Kürbis, Süßkartoffeln, normale Kartoffeln, Möhren, Lauch & Co anpflanzen. Auch kleine Beerensträucher, Olivenbäumchen, sowie Zitronen- oder Orangenbäumchen fühlen sich in großen Pflanzkübeln wohl. Die Kübel selber müssen nicht teuer sein. Ihr könnt dafür verwenden, wann ihr daheim habt. Auch große Wannen gehen super. Prima finde ich aber auch Pflanzkübel mit Rankhilfen (Amazon Affiliate Link). Die sind zwar nicht günstig, sehen dafür aber hübsch aus und geben rankenden Sorten wie Bohnen, Erbsen oder auch Gurken guten Halt.
  • Hängeampeln sind super, um den wenigen Platz auf dem Balkon in die Höhe auszunutzen. Erdbeeren könnt ihr beispielsweise sehr gut in Hängeampeln anpflanzen. Genauso sämtliche Sorten, die ranken. Die müssen nicht zwangsläufig nach oben wachsen, sondern dürfen ruhig auch runterhängen. Kleine Sorten Gurken gehen hier beispielsweise gut. Es gibt aber auch hängende Tomatensorten. Und natürlich sind auch Kräuter bestens für Hängeampeln geeignet.
  • Habt ihr keinen Platz für Hochbeete oder große Pflanzkübel, könnt ihr auch ganz normale Blumentöpfe für den Anbau von diversem Gemüse nutzen. Paprika, Chilis, Auberginen und Kräuter funktionieren darin sehr gut. Und für die Unterbringungen eignen sich Fenstersime und Blumentreppen (Amazon Affiliate Link).

Gemüse zuhause anbauen: Tipps für Indoor-Gardening

Wenn ihr keinen Balkon habt, müsst ihr auf das Gärtnern übrigens nicht verzichten. Im Prinzip könnt ihr dieselben Pflanzbehälter wie auf dem Balkon auch innerhalb der Wohnung verwenden und nahezu dieselben Pflanzen wie auf dem Balkon anbauen. Durch die gleichmäßige Temperatur erhöht sich sogar oftmals der Erntezeitraum, bzw. es ist auch möglich, mehrmals im Jahr zu ernten.

  • Wichtig beim Indoor-Gärtnern ist, dass ihr Standorte wählt, an denen eure Pflanzen möglichst viel natürliches Licht abbekommen. Fensterbänke oder ein Platz in der Nähe von großen Fenstern, Glastüren etc. sind super.
  • Da in der Wohnung nicht unbedingt Insekten unterwegs sind, müsst ihr bei einigen Sorten die Bestäubung selbst übernehmen. Sonst habt ihr am Ende keine Ernte. Das ist zum Beispiel bei Tomaten der Fall. Oder auch bei Paprika. Die Bestäubung selber ist aber nicht kompliziert. Meist reicht es schon, wenn ihr ein bisschen an den Pflanzen schüttelt. Notfalls einfach ein bisschen Blütenstaub mit dem Finger aufnehmen und damit sanft über den Stempel fahren.
  • Weil ihr in der Wohnung auch keine Insekten, Regenwürmer etc. im Boden habt und auch kein Laub, Rasenschnitt etc. als Düngematerial anfällt, müssts ihr darauf achten, eure Pflanzen regelmässig zu düngen. Ohne reichtlich Nährstoffe fällt eure Ernte sonst nur minimal aus. Oder es wächst einfach direkt gar nix. Natürlich könnt ihr hier auf fertigen Dünger zurückgreifen. Wer es dagegen natürlich mag, für den ist ein Wurmkomposter super. Nicht günstig, aber man kann damit auch in der Wohnung seinen eigenene, nährstofreichen Kompost erzeugen.

Pflanzen selbst vorziehen vs. vorgezogene Pflanzen kaufen

Bevor es ans große Anpflanzen geht, steht natürlich immer die Frage im Raum, ob man sich seine Pflanzen selber vorziehen soll oder einfach direkt fertig vorgezogene Pflanzen kauft. Wenn man Gemüse zuhause anbauen will, macht es Sinn, die Pflanzen selber vorzuziehen. Damit steigt zum einen die Vorfreude auf das eigentliche Anpflanzen. Außerdem finde ich es schön, den kleinen Pflänzchen beim Wachsen zuzuschauen. Und das Ganze hat auch den Vorteil, dass man auch ungewöhnlichere und alte Gemüsesorten anbauen kann.

  • Beim Saatgut solltet ihr darauf achten, dass ihr hochwertiges Saatgut verwendet. Am besten in Bioqualität. Ich verwende das Schrebergarten Starter Set von Hauptstadtgarten (keine Werbung: selbst gekauft und mega begeistert davon!). In diesem Set ist so ziemlich alles drin, was das Gärtnerherz höher schlagen lässt. Verschiedene Sorten Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Erbsen, Bohnen, Möhrchen, Kohlrabi, Rotkohl und und und… Ausserdem ist in dem Set eine tolle Pflanzanleitung mit vielen wertvollen Tipps und Tricks dabei.
  • Als Gefäße für das Vorziehen könnt ihr alles mögliche verwenden. Ich habe mir für 2020 Anzuchttöpfchen (Amazon Affiliate Link) gekauft. Ihr könnt aber auch Joghurtbecher, leere Klopapierrollen, Eierkartons oder ähnliches benutzen.
  • Bei der Erde empfehle ich, eine spezielle Anzuchterde (Amazon Affiliate Link) zu benutzen. Zwar hat bei mir die Anzucht in ganz normaler Blumenerde auch schon geklappt, aber in der Anzuchterde wachsen die Pflänzchen einfach nochmal einen Tick besser, werden kräftiger und auch robuster. Die Anzuchterde ist zwar etwas teurer, aber man braucht auch nicht sonderlich viel davon.

Fertig vorgezogene Pflanzen

Wenn ihr die Pflanzen dagegen schon fertig vorgezogen kaufen wollt, dann könnt ihr die euch im Baumarkt eures Vertrauens holen. Dort gibt es meist reichlich Auswahl. Noch besser wäre es aber natürlich, wenn ihr die Jungpflanzen bei einem Gärtner aus der Umgebung kauft. Habt ihr sowas nicht, könnt ihr auch auf Bio-Pflanzen aus dem Internet zurückgreifen. Sehr gut ist zum Beispiel Biogartenversand.de.

Lesenswerte Gartenblogs & Buchtipps

Auch wenn ich hier auf der Seite immer mal wieder Tipps rund um das Thema Garten veröffentliche, gibt es doch auch jede Menge Blogs, die sich noch viel mehr mit dem Gärtnern beschäftigen als ich. Meine liebsten sind Parzelle 14 und Hauptstadtgarten. Bei den beiden solltet ihr unbedingt mal vorbei schauen. Das lohnt sich absolut und hier hole auch ich mir selbst immer wieder Inspiration und Anregung.

Wer noch ganz neu im „Garten-Game“ ist und sich gerne Tipps und Anregungen aus Büchern holt, der sollte sich mal hier umschauen: Mein Naschbalkon, Leckeres vom Balkongarten, Selbstversorger-Balkon oder Indoor-Gardening. Falls ihr lieber digital lest, dann schaut euch doch auch mal Kindle Unlimited an. Hier gibt es (Stand 09.04.2020) gleich zwei Monate Zugang komplett gratis. Oder wie wärs nach getaner Arbeit mit einem schönen Hörbuch? Audible bietet ein Probeabo, bei dem ihr grundsätzlich ein Hörbuch gratis bekommt. Amazon Prime Mitglieder sogar zwei. Eignet sich auch super zum nebenbei hören während der Gartenarbeit. (bei allen Links in diesem Absatz handelt es sich um Amazon Affiliate Links)


Wenn euch mein Gartenfieber jetzt angesteckt hat und ihr ebenfalls Gemüse zuhause anbauen wollt, dann schreibt mir doch gerne mal in die Kommentare, was ihr alles so anbaut und vor allem auch wo. Nutzt ihr den Balkon, habt ihr selbst einen Garten oder versucht ihr euch am Indoor-Gardening? Und schaut ruhig auch ab und zu in meinem Garten-Archiv vorbei. Dort gibts immer wieder mal was Neues rund um das Thema Garten, Gemüse anpflanzen & co.


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3 Kommentare

  1. bei uns arbeiten momentan alle im Garten.
    habe den Artikel auch schon meiner Nachbarin geschickt.
    sehr wertvoller Beitrag :)
    liebe grüße
    franzi von powder brows

  2. Hallo
    Nächste Woche beginnt bei uns das Projekt Balkon begrünten und bepflanzen. Da wir die pralle Sonne haben, muss ich immer aufpassen wo ich was hingebe. Heuer werde ich Tomaten, Chilis, Erdbeeren und vielleicht noch Paprika setzen. Das mit den Ampeln ist eine gute Idee, werde ich den Meinen mal erzählen ob er mir das machen will. Ansonsten muss bei uns immer noch ein kleiner Kräutergarten dabei sein. Dazu habe ich eine Palette umfunktioniert. Tolle Tipps sind dabei, danke dafür
    Liebe Grüße


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