Egal, ich lass das jetzt so – Die Kunst, so viel wie möglich wegzulassen

In letzter Zeit waren die Themen hier auf dem Blog sehr ernährungslastig. Es gab viele Rezepte. Dazu einige DIY- & Upcycling-Projekte, sowie Themen aus dem Garten. Auch auf meinem Instagram-Kanal dreht sich gerade fast alles um meinen Schrebergarten und ums Essen. Minimalismus und das Reduzieren – also die Themen, weshalb ich diesen Blog ursprünglich gestartet habe – sind da in letzter Zeit leider etwas zu kurz gekommen. Heute möchte ich aber mal wieder einen spannenden Gedanken aus diesem Bereich mit euch teilen:

Die Kunst des Weglassens

Neulich, als ich morgens auf dem Weg zur Arbeit war, habe ich den Podcast „Gemischtes Hack“ von Felix Lobrecht und Tommi Schmidt gehört. Wie jede Woche. Und Felix Lobrecht hat darin etwas sehr Kluges gesagt, was mich bis heute nicht mehr loslässt:

In den meisten Kunstbereichen (zum Beispiel bei der Musik oder Comedy) werden die „Projekte“ erst dann richtig gut, wenn man das vorhandene Material so lange reduziert, bis man nichts mehr weglassen kann.

Auch beim Schreiben ist das so. Jeder, der sich mit Journalismus und dem Schreiben allgemein beschäftigt, lernt diese Faustregel als eine der ersten Lektionen. Und das finde ich total spannend. Vor allem, wenn man es auf das eigene Leben überträgt.

Bild von Olga Ozik auf Pixabay

Weg vom Stress, hin zur Gelassenheit

Heutzutage sind Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und Selbstoptimierung ja ganz groß in Mode. Alle Lebensbereiche sollen besser, effizienter, schneller, gesünder werden. Leider erreicht man damit oftmals das genaue Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte: Man stresst sich selbst und macht sich das eigene Leben nur unnötig schwer.

Anstatt immer mehr zu wollen, noch mehr zu optimieren und immer noch einen drauf zu setzen, sollten wir deshalb meiner Meinung nach lieber mal die andere Richtung ausprobieren. Schauen, was wir weglassen können. Und zwar so viel, bis wir uns mit weniger nicht mehr wohlfühlen würden.

Die Herausgeber des Buchs „Ein guter Plan“ (hab ich hier übrigens auch mal vorgestellt: Buchvorstellung „Ein guter Plan“) haben das Thema auf ihrem Instagram-Kanal ebenfalls aufgegriffen. Sie schreiben dazu:

Egal, ich lass das jetzt so.“ Das ist ein ganzer Satz. Das Tückische am Konzept der Selbstoptimierung ist die Tatsache, dass es immer etwas zu verbessern geben wird. Wenn wir uns das nicht bewusst vergegenwärtigen und es schaffen, mit dem zufrieden zu sein, was wir in diesem Moment haben, wer und wie wir in diesem Moment sind, kann daraus ein latentes Gefühl der Unzulänglichkeit erwachsen. Perfektionismus ist keine Tugend und getan ist sehr oft besser als perfekt. Auch mal Fünfe gerade sein lassen zu können, ist über kurz oder lang eine Fähigkeit, die nicht nur deiner mentalen Gesundheit enorm zuträglich ist. Am Ende des Tages wird auf diese Weise auch deine Produktivität steigen – wodurch du dich wiederum stetig und viel schneller verbesserst. Du erzielst nachhaltig gesehen also sogar bessere Ergebnisse, als mit einer militant-perfektionistischen Herangehensweise – bei gleichzeitig besseren Effekten auf deine psychische Gesundheit.

Ein guter Plan / Instagram

Neues Motto: Egal, ich lass das jetzt so

In meinem eigenen Leben, lasse ich mittlerweile viele Dinge „einfach so“. Die alten Rezepte hier auf dem Blog? Lass ich einfach so. Scheiss auf Bilder, die mir heute nicht mehr gefallen. Früher fand ich sie ok und Punkt. Der Wäscheberg der sich in meinem Schlafzimmer stapelt oder die Spülmaschine, die dringend ausgeräumt werden muss? Lass ich einfach so. Wenn das Wetter schön ist, geht es in den Garten.

Ich hab mir daraus schon eine richtige Challenge gemacht und suche mir beinah jeden Tag etwas, das ich weglassen kann. Meistens sind das Kleinigkeiten, wie beispielsweise, sich nicht darüber zu ärgern, dass der Zug Verspätung hat. Oder einfach mal eine Tasse Kaffee weniger zu trinken, nach Feierabend das Handy komplett auszuschalten, die Snooze-Taste am Wecker morgens einmal weniger zu drücken… Und auch Dinge wie 15 Minuten weniger Haushalt zu machen und die gewonnene Zeit dafür zu nutzen, länger mit dem Hund zu spielen. Im Einzelnen alles Kleinigkeiten, die am Ende aber eine riesige Wirkung haben: Weniger Stress, mehr Zufriedenheit und allgemein ein besseres Wohlbefinden. Ganz ohne übertriebenen Optimierungswahn.


Welche Bereich habt ihr denn so in eurem Alltag, in denen ihr euch vorstellen könntet, zu reduzieren? Seid ihr in der Lage „Egal, ich lass das jetzt so“ zu sagen oder seid ihr doch eher Perfektionisten, die nicht runterkommen, bevor alles TippTopp ist? Schreibts mir in die Kommentare, ich freu mich auf eure Ansichten.


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3 Kommentare


  1. Hmm also mich stresst jetzt zb das Aufräumen nicht wirklich und mache es gerne, weil mir das Resultat gefällt und ich mich so wohler fühle. Dennoch ist alles bei mir kein Muss mehr wie früher, einfach mal Nichtstun oder sich mehr Zeit für die schönen Sachen nehmen und anderes liegen lassen. Ist sehr gut aber nicht einfach

    1. Author

      Genau das meine ich damit. Wir sollten alle lernen, dass es auch mal ok ist, Dinge liegen zu lassen. Früher hat es mich enorm gestresst, wenn ich im Sommer nach Feierabend zum Gießen in den Garten musste. Ich wusste genau, was zuhause alles noch ans Haushaltsaufgaben warten und konnte die Zeit im Garten dann nicht wirklich genießen. Heute denk ich mir „ja gott, is doch egal“.. dann bleibt die Wäsche halt ein oder zwei Tage länger liegen. So eine gewisse Grundordnung in der Wohnung ist mir wichtig. Aber ich hab auch kein Problem mehr damit, wenn mal was liegen bleibt. Das ist – wie du schon sagst – nicht einfach und man muss das richtig lernen. Aber wenn man es kann, dann ist es soooo gut :)

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