Mitten im dunklen Grün der Tannen ragt hoch oben das Schloss in den Himmel. Weiss, groß, majestätisch. Neuschwanstein. Ein Hauch von Disney liegt in der Luft. Und der zarte, erdige Duft nach Laub und feuchtem Waldboden. Leichter Nieselregen fällt vom Himmel, während der kühle Herbstwind bunte Blätter im Kreis tanzen lässt und bereits unangenehm kalt in die dicken Jacken kriecht. Herbst 2020 im Allgäu. Ich war dabei! Also so allgemein. Nicht auf Schloss Neuschwanstein.

Das Schloss konnten wir nicht besichtigen weil Hunde dort nicht erlaubt sind. Außerdem waren sämtliche Tickets ausverkauft. Dienstagmorgens. Um zehn Uhr. Für den spektakulären und instagramtauglichen Ausblick aufs Schloss hätten wir maximal noch auf die Marienbrücke gehen können. Wollten wir auch, aber sie war gesperrt. Wegen Sanierungsarbeiten. Und das ausgerechnet an dem einen Tag, an dem wir da waren. Typisches Urlaubspech. Kennen wir. Macht uns nix. Und natürlich haben wir trotzdem viel Spaß gehabt. Paul beim Gassi gehen am Alpsee und der Mann und ich im Biergarten unterm Schloss beim Touristen beobachten.

Sagt man nicht sowieso, dass die Vorstellung immer schöner ist, als die Realität? Vielleicht war es also gut, dass ich Neuschwanstein nur aus der Postkartenperspektive gesehen habe. So bleibt es das, was es in meiner Vorstellung immer war: Ein romantische Schloss hoch oben auf dem Berg. Majestätisch im Tannengrün. Ganz ohne Touristenmassen und Multi-Kulti-Geschnatter. Ist doch irgendwie auch schön.

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Auszeit am Bergsee

Neuschwanstein war aber nicht der einzige Grund, warum wir letzte Woche im Allgäu waren. Wir hatten Urlaub. Eine ganze Woche lang. Und weil uns die letzten Wochen und Monate so richtig ausgelaugt haben (also den Mann und mich, den Hund weniger), haben wir uns spontan dazu entschieden, ein paar Tage wegzufahren. Das Allgäu ist dafür perfekt. Zumindest für uns. Rein ins Auto, zwei Stunden auf der A7 in den Süden fetzen und schon liegen die Berge vor uns. Jetzt im Herbst bereits mit einer feinen Puderzuckerschicht auf den Gipfeln. Traumhaft.

Die Wahl des Urlaubsortes war pragmatisch. Paul musste erlaubt sein und der Rest war zweitrangig. Verschlagen hat es uns schließlich in das Landhaus Seeblick in Hopfen am See. Nur vier Kilometer von Füssen entfernt und mit einer Aussicht auf den See und die Berge, ich die ich mich direkt verliebt habe.

Als Globetrotter (in klimabedingter Rente^^) ist so eine Auszeit im Allgäu was ganz Neues für mich. Statt Big City Trubel morgens aufwachen und noch aus dem Bett glitzerndes Wasser sehen. Enten, die sich gemütlich treiben lassen und über die leichten Wellen gleiten. Kreisende Möwen über dem See. Und dahinter am Horizont schneebedeckte Gipfel. Dick mit Nebel behangen. Dann raus aus dem Bett, rein in die Wohlfühlklamotten, den Hund schnappen und eine entspannte Gassirunde am Seeufer drehen. Ungeschminkt und mit zerzaustem Knödel auf dem Kopf. Frische Luft. Ruhe. Und ein kurzer Zwischenstop beim Bäcker. Dem einzigen im Dorf. Frische, noch warme Brezeln und heißer Kaffee für den Rückweg. Ein kurzes Päuschen an der Bank am Seeufer. Nochmal das Panorama genießen. Und danach ganz langsam in den Tag starten. Könnt ich mich ja durchaus dran gewöhnen.

Sightseeing & Allgäuer Alpenwelt (im Regen)

Touristen-Sightseeing war in diesem Urlaub in jedem Fall Fehlanzeige. Nach dem „Debakel“ auf Neuschwanstein wollten wir keine großen Experimente mehr und der Hund durfte den Takt angeben. Ein kleiner Stadtbummel durch Füssen. Ein Abstecher zum Lechfall mit seinem glitzernd türkisen Wasser und dem Auwald, der mit seinem üppigen Bäumen und kleinen Bächen wie verzaubert wirkt. Und schließlich noch ein Ausflug nach Oberstdorf. „Da müsst ihr unbedingt hin!“ – hat die Schwiegermutter vor unserer Abreise geschwärmt und sich dabei gedanklich in ihre früheren Urlauben dort verloren.

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Bergbahn fahren wär auch noch eine gute Idee“ hat der Mann gemeint, während wir im Regen durch Oberstdorf gelaufen sind. Hoch oben auf dem Gipfel stehen, auf die kleine Welt da unten blicken und anschließend im Gipfelrestaurant schön Mittagessen. Zünftige Bergküche mit Käsespätzle und Kaiserschmarrn. Das ist für mich zwar eher nix, aber da muss der Veganer im Bergurlaub halt durch. Oder auch nicht, denn auf den Berg muss man erstmal rauf kommen. Bei starkem Wind und Regen gar nicht mal so einfach. Bahn um Bahn geschlossen. Und die letzte Option – die Fellhornbahn – eine Katastrophe für Hundebesitzer. Ja, hundefreundlich sind sie und nehmen Bello & Co gerne in der Gondel mit auf den Berg. Vorausgesetzt, sie tragen einen Maulkorb. Absolutes No-Go für mich. Beziehungweise für Paul. Kennt er nicht, hätte ihn nur gestresst und damit wärs auch für uns ungemütlich gewesen. Also unten bleiben. Wie auf Neuschwanstein. Scheinbar unser Allgäu-Schicksal.

Ein Bergurlaub, der eher Talurlaub war. Aber trotzdem schön. Ruhig. Gemütlich. Das ist wohl die Entschleunigung, von der alle immer reden. Und zurück zu Hause, da gehts dann mit freiem Kopf und frisch aufgetankten Akkus wieder in den Alltag. Ich freu mich drauf.


Die übrigen Rubriken aus meinem Wochenrückblick habe ich diese Woche bewusst gestrichen. Dank Social Media Auszeit kann ich dir heute kein Instagram Profil der Woche empfehlen und auch der Medienkonsum war sehr eingeschränkt. Trotzdem möchte ich dir heute noch zwei Dinge ans Herz legen:

  1. Das Buch „Der Gesang der Flußkrebse„. Dieses Buch höre ich gerade selbst als Hörbuch und die Geschichte ist absolut zauberhaft. Es ist wunderschön facettenreich geschrieben und enthält Charaktere, die man einfach lieben muss. Das Buch gibt es als normale gedruckte Ausgabe oder als Hörbuch bei Audible. Special Goodie: Wenn du Amazon Prime Kunde bist, aber noch kein Audible hast, kannst du Audible 90 Tage kostenlos testen. Das lohnt sich wirklich, denn als ich mich 2016 bei Audible angemeldet hatte, gab es nur 30 Tage zum testen. Für alle, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Audible Account zuzulegen, ist das ein echt tolles Angebot [Werbung wg. Amazon Affiliate Links]
  2. Mein neues Rezept: Veganer Zwetschgenkuchen mit Marzipanstreuseln. Der Kuchen ist so phantastisch, dass er nicht nur den den Schwiegermuttertest und den Kleine-Schwester-Test bestanden hat, sondern auch den Kollegen-Test. Ein superding und absolut perfekt für verregnete Herbsttage mit Tee und Decke auf dem Sofa.

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2 Responses

  1. Oh wie schön zu lesen, dass ihr euch etwas Gutes getan habt. Das braucht jeder mal, raus aus dem Alltag. Und dann das Allgäu. Das war dieses Jahr auch unser Haupt-Zielort Nummer 1 (natürlich auch aufgrund der aktuellen Umstände). Und bei Regen sind die Berge irgendwie auch ganz besonders. Dieses Jahr habe ich mich wirklich in wolkenvergangene Gipfel und Nieselregen verliebt. Leider dadurch dann doch ohne Aussicht – meistens. Aber dafür darf man dann umso mehr die Ruhe genießen, da die meisten Leute bei Regen und vermeintlich schlechtem Wetter doch lieber drinnen bleiben. Die Bilder machen schon wieder Lust los zu fahren und raus in die kalten Berge, obwohl es bei mir auch erst 3 Wochen her ist.
    Redet viel darüber und erzähl deine Erlebnisse, denn so bleiben sie im Gedächtnis weiter erhalten und werden nicht so schnell vergessen.

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