Nachhaltigkeit

Wie ich aus Dummheit zum Umweltsünder wurde (Ein Drama in zwei Akten)

Lesedauer: 4 Minuten

Menschen machen Fehler. Ständig. In der allgegenwärtigen Internet-Filterbubble könnte man aber meinen, jeder wäre perfekt. Wo man hinschaut, werden schöne Fassaden gezeigt. Gestylte Wohnungen, in denen die unordentlichen Krimskrams-Ecken großzügig ausgeblendet werden. Perfekt gebräunte Haut ohne jeden Makel. Filter sei dank. Und Zero-Waste-Einkäufe, bei denen die Packung Chips noch eben schnell aus dem Bild verschwindet. Wie schön wäre es, wenn im Leben alles so perfekt wäre, wie es das Internet zeigt. Ist es aber natürlich nicht. Und manchmal passieren Dinge, die nicht gut sind. Das kann man verschweigen. Um die Illusion des eigenen perfekten Leben aufrecht zu halten. Oder man kann sie offen ansprechen. Sich selbst reflektieren. Um als gutes Beispiel voran zu gehen. Damit andere vielleicht auch noch etwas daraus lernen können.

Genau das möchte ich heute tun. Deshalb erzähle ich euch jetzt die Geschichte, wie ich zum Umweltsünder geworden bin. Ungeschönt. So wie es war. Mit allen Konsequenzen. Und vor allem auch mit der ganzen Peinlichkeit:

1. Akt

Es war Donnerstag. Ein Schöner Tag im Juni 2020. Ich war auf dem Weg zur Arbeit. Weil mein Zug mal wieder ein wenig länger gebraucht hatte, fuhr mir mein Bus zum Büro vor der Nase weg. Das kommt öfter mal vor und ist nicht weiter tragisch. Bis zur nächsten Haltestelle kann man sehr gut zu Fuß gehen und weil der Verkehr in Stuttgart gegen 7:30 Uhr sowieso immer unterirdisch mies ist, schafft man es in der Regel locker, rechtzeitig an der nächsten Haltestelle anzukommen und den Bus doch noch zu erwischen.

An diesem Morgen bin ich also zur nächsten Haltestelle getigert und war gut drauf. Die Sonne hat geschienen, es war angenehm warm, das Wochenende war nicht mehr weit und über meine Kopfhörer hat mir Alligatoah in die Ohren gedudelt. Aus Gewohnheit habe ich mir eine Zigarette angesteckt (ja, Rauchen ist scheisse und meinen letzten Aufhörversuch habe ich verkackt – aber das ist hier nicht das Thema). Und genau diese Zigarette ist mir zum Verhängnis geworden.

Auf dem Weg zur nächsten Bushaltestelle muss man zwei Ampeln passieren. Die Ampelphasen waren an diesem Morgen ungewöhnlich lange und es war abzusehen, dass es deshalb doch sehr knapp werden würde, den Bus noch zu erwischen. Gerade als ich an der Haltestelle angekommen war, fuhr der Bus auch schon ein. Alles musste schnell gehen. Ich habe mir meine Maske aufgezogen. Die Zigarette hat noch gebrannt. Der Bus hat angehalten, die Türen gingen auf und ich habe getan, was ich normal nie mache: Ich habe die Kippe auf den Boden geworden. Bereit, direkt in den Bus zu springen.

2. Akt

Als ich so auf die offene Tür des Busses zugelaufen bin, hat sich mir ein Mann in den Weg gestellt und mich angesprochen. Was er zu mir gesagt hat, habe ich erst gar nicht mitbekommen. Ich hatte ja noch Alligatoah im Ohr, der mir was von freier Liebe vorgesungen hat. Und ich wollte dringend in den Bus. Dann ist alles ganz schnell gegangen. Noch bevor ich wirklich realisieren konnte, was da eigentlich los war, habe ich eine Polizeimarke vor der Nase gehabt. Der Typ, der mich angesprochen hat, war eine Streife in Zivil. Und ich auf frischer Tat ertappt, wie ich eine Zigarettenkippe in die Walachei geworfen hatte.

Den Bus zu nehmen hatte sich damit erstmal erledigt. Meine Personalien wurden aufgenommen, ich habe eine ausführliche Belehrung über Umweltverschmutzung im Allgemeinen und über das Wegwerfen von Zigarettenkippen im Speziellen bekommen und bin darüber aufgeklärt worden, was jetzt auf mich zukommt. Nämlich ein Bußgeld. Ein saftiges. 103,70 € inklusive Bearbeitungsgebühr. Und das am frühen Morgen. Noch vor 8 Uhr.

Ja und was interessiert uns dein Bußgeld?

Warum ich euch das erzähle, hat einen ganz bestimmten Grund: Die Geschichte ist mir furchtbar peinlich. Ich schreibe hier über Nachhaltigkeit und Minimalismus. Predige davon, dass man beim Einkaufen möglichst auf Verpackungen verzichten soll. Besonders auf die aus Plastik. Ich sehe mich selbst als verantwortungsbewussten Menschen. Als eine Person, der die Umwelt nicht egal ist. Und dann passiert mir sowas. Aus Hektik. Aus Unachtsamkeit. Aus Dummheit!

Das Bußgeld, welches ich aufgebrummt bekommen habe, ist mir egal. Das ist auch absolut kein Mitleid wert. Ganz im Gegenteil. Dieses Bußgeld ist richtig und gut und wichtig. Ich habe es absolut verdient. Wer einen Fehler macht, muss die Konsequenzen tragen. Und mehr noch: Er muss daraus lernen. Die 103,70 Euro tun mir aus finanzieller Sicht nicht weh. Weh tun sie aber meinem Ego. Weil ich so dumm war. Weil ich nicht nachgedacht habe. Und weil mein Handeln allem widersprochen hat, für was ich eigentlich stehe. Ich ärgere mich so sehr über mich selbst, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Vor allem, weil ich Kippen normalerweise niemals auf die Straße werfe. Dieser Vorfall hat mir aber deutlich gemacht, dass ein winziger Moment der Unachtsamkeit ausreicht, um völlig entgegen der eigenen Moralvorstellung zu handeln.

Muss man sowas peinliches öffentlich erzählen?

Ich hätte diese Geschichte ganz easy einfach unter den Tisch fallen lassen können. Wenn man es nicht erzählt, ist es ja quasi nie passiert. Das Saubermann-Image bleibt unverletzt. Aber genau das will ich nicht. Ich möchte euch mit dieser Geschichte zeigen, dass jeder einzelne von uns dumme Fehler machen kann. Große oder kleine. Ganz egal. Im Internet heile Welt zu spielen, kann jeder. Bringt einen aber nicht vorwärts. Und ändert am Ende auch selten was. Deshalb habe ich heute einen Appell an euch.

Zigarettenkippen gehören in den Müll. Ausnahmslos. Nicht auf die Straße, nicht auf den Gehweg und auch nicht in den Rasen am Wegesrand. Egal wie hektisch es ist, egal wie dringend ihr irgendwo hin müsst, ob ein Mülleimer in der Nähe ist oder nicht: schmeißt eure Kippen bitte niemals einfach weg. Jede einzelne Zigarettenkippe belastet die Umwelt auf enorme Weise. Verseucht das Grundwasser. Ist eine Gefahr für Tiere. Und sieht auf dem Boden natürlich auch noch maximal Scheisse aus.

Wenn es euch genauer interessiert, was Zigarettenkippen in der Umwelt verursachen, dann empfehle ich euch diesen Artikel von Quarks: „So gefährlich sind Zigarettenkippen für die Umwelt„. Der Artikel enthält am Ende auch noch viele weitere Links zu Artikeln der WHO & Co. Reinschauen lohnt sich absolut!

Die Moral von der Geschichte:

Mir selbst wird diese Geschichte in jedem Fall eine Lehre sein. Und ich weiß ganz sicher, dass ich in Zukunft garantiert keine Kippe mehr auf die Strasse werfe. Egal wie hektisch es ist. Für den Gang zum Mülleimer muss immer Zeit sein. Das schlechte Gewissen, das mich plagt und die Wut, die ich auf mich selber habe, ist mir eine schlimmere Strafe als jedes Bußgeld. Und wenn dieser kleine Umweltsünder-Striptease auch nur einen einzigen weiteren Menschen davon abhält, die nächste Kippe so achtlos wegzuwerfen, wie ich an diesem Tag, dann hat mein blankziehen sein Ziel erreicht.

Danke fürs Zuhören! Haltet eure Umwelt sauber <3 Und das Schlusswort überlasse ich jetzt dem ehrenwerten Herrn Alligatoah:


Für mehr Einblicke in meinen Alltag und News aus dem Schrebergarten folg mir auf Instagram -> @minime.life <-


3 Kommentare

  • Anne

    Guten Morgen!

    Ich find’s klasse, dass du hier so offen von dem Vorfall erzählst und dazu stehst. Und ja: sowas ist schlichtweg menschlich, Fehler unterlaufen uns halt einfach ab und an mal. Wenn wir mit den Gedanken woanders sind, unter Zeitdruck stehen, nervlich angespannt sind, … was auch immer. Wir sind halt keine Roboter (und selbst die haben Bugs!).

    Wenn dir so etwas einmal in hundert Malen passiert, ist es natürlich blöd, wenn ausgerechnet dieses eine Mal auffällt und dich vermeintlich als jemanden brandmarkt, der sich „immer“ so verhält. Mach dich deswegen nicht fertig – du hast dich 99mal richtig verhalten und durch diesen Denkzettel wirst du in Zukunft sicher noch viel mehr darauf achten, dass dir so ein Lapsus nicht noch einmal unterläuft. Und vielleicht kann es ja tatsächlich ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, dass du ganz aufhören solltest mit dem Rauchen. :)

    Liebe Grüße
    Anne

  • David

    Was dich von den anderen unterscheidet? Du reflektierst dein Verhalten. Das ist ein großer Schritt. Viele Menschen schaffen ihn nie. Das du gerade in einem schwachen Moment einmal etwas falsch machst, ist menschlich. Du bist kein Roboter. Nobody is perfect! Und viel besser als Zigarettenkippen in den Müll zu werfen ist, ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Mach einen Schritt nach dem anderen.

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