Dass der Klimawandel längst in vollem Gange ist, kann man nicht mehr abstreiten. Ausser man heißt Donald Trump. Aber dem unterstelle ich jetzt einfach, dass er diesen Blog nie lesen wird. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Klimawandel schon lange keine Theorie mehr ist. Und wir? Wir haben verpasst, die Stop-Taste zu drücken. Haben uns auf diejenigen verlassen, die Macht und Einfluss haben. Auf die Wissenschaft. „Die da oben werden es schon richten“ haben wir gedacht. Und damit unser Gewissen beruhigt. Abgelenkt und blind durch große Reden über Möglichkeiten und Maßnahmen haben wir nicht bemerkt, dass der Klimawandel plötzlich über unsere Türschwelle gestolpert ist. Sich breit gemacht hat. Und mittlerweile nicht mehr vorhat, wieder zu gehen. Wir haben es ihm aber ja auch so gemütlich gemacht.

Der Klimawandel betrifft doch nur die anderen

Das Schlimme dabei: Wenn man vom Klimawandel spricht, denkt man in erster Linie an Auswirkungen, die uns selbst nicht betreffen.

Der Amazonas brennt? Ja gut, da wohnen wir ja nicht. Die Wälder in Australien? Klar, schade um die süßen Koalas, aber da leben wir auch nicht. Katastrophale Waldbrände in Kalifornien? Da ist es doch sowieso immer gefährlich. Und schmelzende Polarkappen? Ist doch egal, da will doch eh keiner in den Urlaub hin.

Dass der Klimawandel aber auch für uns in Deutschland bereits heute ganz konkrete Auswirkungen hat, wird oft nicht gesehen. Will nicht gesehen werden. Katastrophen, die in fernen Ländern stattfinden, kann man bedauern. Aber hier in Deutschland? Nein, da ist doch heile Welt. Oder? 2019 hat das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium einen 270 Seiten langen Bericht zum Thema Klimawandel veröffentlicht. Darin wird beschrieben wird, wie sich der Klimawandel in Deutschland bemerkbar macht. Und der zeichnet ein Szenario, welches ziemlich weit von „heiler Welt“ entfernt ist.

Klimaschäden treffen Unternehmen und Arbeitsplätze

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland

Bei uns in Deutschland hat sich die mittlere Lufttemperatur im Zeitraum von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Alleine 0,3 Grad davon in den letzten fünf Jahren. Die Sommer 2018 und 2019 gehörten zu den heissesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Diese höheren Temperaturen haben weitreichende Folgen für die Natur, die Wirtschaft und auch für den Menschen. Durch den Temperaturanstieg haben wir mittlerweile deutlich mehr Hitzetage mit Temperaturen über 30°C (1951 = 3 Tage pro Jahr / 2019 = 10 Tage im Jahr). Dies lässt nicht nur die Zahl der hitzebdedingten Todesfälle steigen. Der Anstieg der Temperatur schädigt die Natur massiv, begünstigt Starkwetterereignisse und beeinträchtigt dadurch letztendlich auch die Wirtschaft. Grundwasserpegel sinken, Ökosysteme werden geschädigt oder ganz zerstört, die Landwirtschaft ist immer häufiger auf Dürrehilfen von Bund und Ländern angewiesen und Schäden durch Starkwetterereignisse wie Sturm, Hagel, Starkregen und Überschwemmungen nehmen immer mehr zu.

Diese Auswirkungen betreffen uns alle ganz konkret. Jetzt. Klimaschäden sind keine Zukunftsmusik. Und deshalb geht der Klimawandel uns auch alle jetzt ganz konkret was an. Natürlich ist es nicht abzustreiten, dass Bund und Länder in noch größerem Umfang tätig werden müssen. Gesetzliche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden. Klimaziele neu definiert, sinnvolle Maßnahmen beschlossen und dann natürlich auch konsequent umsetzen werden. Das bedeutet aber nicht, dass wir alle tatenlos zuschauen dürfen und Däumchen drehen können. Im eigenen Alltag gibt es zahlreiche Stellschrauben, nachhaltig und klimafreundlich zu agieren. Damit können wir Verantwortung übernehmen. Verantwortung für das, was auch wir alle mit verursacht haben.

Der persönliche ökologische Fußabdruck

Ein wichtiger Anhaltspunkt, um das eigene „Fehlverhalten“ in Sachen Klimawandel festzustellen, ist das Ermitteln des ökologischen Fußabdruckes. Der Ecological Footprint wurde bereits in der Mitte der 1990er Jahre entwickelt und zeigt auf, in welchem Umfang man selbst die natürlichen Ressourcen der Erde beansprucht und welche Auswirkungen das eigene Verhalten auf das Klima hat. Er gibt an, wie viel Hektar Wald, Acker, Meeresfläche und Weideland nötig sind, um die vom Menschen verbrauchten Ressourcen zu erneuern und entstandene Abfallprodukte zu absorbieren. Aktuell verursacht die Menschheit durch ihren Konsum ein so großes Defizit, dass 1.7 Erden nötig wären, um den Verbrauch zu kompensieren. Wobei hier der ökologische Fußabdruck der Menschen aus den westlichen Ländern überdurchschnittlich hoch ist.


Du möchtest wissen, wie hoch dein ökologischer Fußabdruck ist? Im Internet gibt es jede Menge toller Rechner dafür. Mein liebster ist der von footprintcalculator.org:


Mein persönlicher ökologischer Fußabdruck liegt derzeit bei 3,4 gha (globale Hektar). Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 4,8 und der Durchschnitt in den USA sogar bei über 9. Obwohl ich dank meiner Lebensweise bereits deutlich niedrig liege, wären mit meinem Wert trotzdem noch immer zwei Erden nötig, um meinen Ressourcenverbrauch zu kompensieren. Zum Großteil liegt das an Gegebenheiten, die ich aktuell nicht beeinflussen kann: hauptsächlich am Bereich Mobilität und meinem langen Arbeitsweg ins Büro. Der macht bei mir alleine schon 1,9 gha aus.

Fußabdruck zu hoch – was tun?

Die Annehmlichkeiten, die wir in der westlichen Welt haben und nutzen, tragen maßgeblich dazu bei, dass in Deutschland heutzutage wohl kaum jemand überhaupt noch ein akzeptablen ökologischen Fußabdruck hat. Wir nutzen ganz selbstverständlich die vorhandene Infrastruktur und den Handel. Konsumieren, was wir gewohnt sind. Ja wir nehmen diese ganzen Annehmlichkeiten oft nicht einmal mehr wirklich wahr. Das treibt den ökologischen Fußabdruck eines jeden in die Höhe. Und wenn Veränderungen gefordert werden, tendieren wir schnell dazu, die Schuld von uns zu weisen. Schließlich brauchen wir Strom, fließend Wasser & Co für unser tägliches Leben. Für unsere Arbeit, unsere Freizeit. Wir leben in einer solch fortschrittlichen Gesellschaft, dass gewisse Infrastrukturen nicht mehr wegzudenken sind.

Wenn wir aber schon die Probleme im Großen nicht ändern können, ist es dann nicht umso wichtiger, dass wir im Kleinen tun, was immer möglich ist? Der eigene ökologischen Fußabdruck lässt sich durch vieles beeinflussen. Und auch schon durch kleine Änderungen verringern:

  • Anpassung der Ernährung
  • Veränderung beim Konsumverhalten
  • Reduzieren von Müll / richtiges Recycling
  • Wasser & Strom sparen
  • Erneuerbare Energien bevorzugen
  • Lebensmittelverschwendung verringern
  • Mobilität einschränken / anpassen
  • Aktiv werden – z.B. Müll sammeln
  • Politisches Engagement
  • Selbstversorgung / autarkes Wohnen
  • Familienplanung

… und vieles mehr.

Ausblick auf den nächsten Beitrag:

Wie ich im Startbeitrag zu meiner Artikelreihe „Nachhaltigkeit im Alltag“ bereits angekündigt habe, will ich mir in den nächsten Wochen und Monaten die verschiedenen Teilbereiche rund um ein nachhaltiges Leben genauer anschauen. Als ersten Punkt werden wir uns im nächsten Beitrag (vielleicht auch in den nächsten Beiträgen) den Bereich Ernährung genauer anschauen. Denn hier ist es mit am einfachsten, Klimaschutz in den Alltag zu integrieren. Und keine Angst: Es wird garantiert nicht darum gehen, dass ab sofort jeder Veganer werden muss.


Hast du deinen ökologischen Fußabdruck schon ausgerechnet? Wie hoch ist er und was sind die Schwachstellen, die deinen ökologischen Fußabdruck in die Höhe treiben? Schreibs mir doch mal in die Kommentare und überlege dir, in welchen Bereichen du noch was drehen kannst.


Quellen:

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One response

  1. Ich finde es gut, dass du hier auch den Punkt „Familienplanung“ aufführst. Es ist gerade in West-Europa nicht besonders gerne gesehen, wenn man darüber nachdenkt. Denn es könnte ja irgendeine Bevölkerung, Rasse oder ähnliches aussterben.
    LG
    Sabiene

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