Wandern

Disclaimer: In diesem Artikel werden teilweise Marken genannt und Produkte verlinkt. Sämtliches Equipment wurde mir jedoch nicht gestellt, sondern selbst gekauft und bezahlt.


Pilgern boomt. Ob aus religiösen / spirituellen Gründen, aus Abenteuerlust, um den Kopf frei zu bekommen oder einfach nur aus der Lust am Fernwandern, immer mehr Menschen zieht es auf den Jakobsweg. Auch mich. Zweimal bin ich den berühmtesten aller Pilgerwege inzwischen gegangen. 2016 den französischen Jakobsweg von Léon nach Santiago de Compostela (bzw. bis Finisterre) und 2018 den portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago.

Auf der ersten Reise war es eine Mischung aus Abenteuerlust und Neugier die mich auf den Camino Frances gezogen hat. Damals hatte ich gerade den Minimalismus für mich entdeckt und wollte erfahren, wie es ist, mehrere Wochen mit minimalem Besitz und minimalem Komfort auszukommen. Die zweite Pilgerreise habe ich unternommen, weil der Jakobsweg ein Phänomen ist, welches einen nie mehr richtig los lässt. Einmal Pilger, immer Pilger. Es vergeht bis heute kein Tag, an dem es mich nicht wenigstens kurz wieder in den Füßen juckt und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Reise auf dem portugiesischen Jakobsweg nicht meine letzte gewesen sein wird.

Heute soll es aber nicht um mich und um meine Erfahrungen auf dem Weg gehen (die gibt es hier zum Nachlesen: Pilgern auf dem Jakobsweg), sondern um die Ausrüstung. Ich werde so oft gefragt, was man denn für eine solche Reise braucht. Und genau das verrate ich euch heute. Wobei ich aber gleich dazu sagen muss, dass die hier vorgestellte Ausrüstung für meine dreiwöchige Pilgerreise ausgelegt war. Hat man vor länger zu gehen, muss man diese natürlich entsprechend anpassen.

Grundsätzliches Equipment

Die Basis der Ausrüstung bildet Equipment rund um den Transport und das Schlafen. Der Rucksack ist dabei das Wichtigste. Er sollte genügend Stauraum bieten, trotzdem aber gut und bequem sitzen und nicht zu schwer werden. Der Schlafsack ist für die Übernachtungen in den Herbergen wichtig. In der Regel gibt es kein Bettzeug oder nur dünne Decken. Zusätzlich wichtig sind gute Wanderstöcke. Für meine bisherigen Reisen, habe ich auf folgendes Grundequipment gesetzt:

  • Rucksack (35+10 Liter)
  • Schlafsack (leicht, 400 g Gesamtgewicht)
  • Zwei Wanderstöcke

Beim Rucksack habe ich mich für den Vaude Challenger mit 30 + 10 Liter Volumen entschieden. Diese Volumenmenge kommt für eine dreiwöchige Reise ganz gut hin. Leider kann ich euch den Rucksack nicht verlinken, weil es das Modell nicht mehr gibt. Ist aber nicht schlimm, denn man sollte sich beim Rucksackkauf sowieso in einem Fachgeschäft beraten lassen und mehrere Modelle probieren. Hier gilt “Er muss passen, nicht schön sein”.

Meinen Schlafsack ist von Fritz Berger. Er ist ein Leichtgewicht mit gerade einmal 400 Gramm, der sich sehr klein zusammenknüllen lässt. Das war mir wichtig, denn wenn man seine Sachen mehrere Wochen auf dem Rücken tragen muss, kommt es auf jedes Gramm und jedes bisschen Platz an. Ich hatte damals den Anspruch, dass mein Rucksack (ohne Wasser und Proviant) nicht mehr als sechs Kilo wiegen sollte. In Sachen Temperaturbereich war es mir bei meinem Schlafsach deshalb nicht so wichtig, dass er möglichst niedrige Temperaturen aushält. Auf dem Jakobsweg schläft man meist sowieso in Herbergen und ich war bisher immer in der warmen Jahreszeit unterwegs.

Die Wanderstöcke habe ich bei Decathlon gekauft. Ich mag die Sachen von Decathlon total gerne. Sie sind nicht allzu teuer und die Qualität ist in der Regel echt gut. Bei den Wanderstöcken gilt es, vor allem darauf zu achten, dass sie zur eigenen Körpergröße passen. Wichtig sind außerdem Schlaufen für die Hände. Damit hat man einen besseren Halt. Und eine Abdeckung für Stahlspitzen ist auch sinnvoll. Fürs Wandern auf Asphalt. Es sei denn, man findet das Klacken der Stöcke entspannend.

Kleidung

Die richtige Kleidung für eine Pilgerreise auszuwählen, ist nicht ganz einfach. Man kommt schnell an den Punkt, viel zu viel einzuplanen. Schließlich möchte man auf alle Eventualitäten wie Hitze, Kälte, Regen oder falls mal was kaputt geht vorbereitet sein. Mir hat es bei der Planung sehr geholfen, mir immer wieder bewusst zu machen, dass es auch auf dem Jakobsweg Läden / Sportgeschäfte gibt und ich notfalls auch noch was nachkaufen kann. Meine Packliste für Kleidung sah am Ende so aus:

  • 1 Wanderhose mit Zip (abnehmbare Beine)
  • 1 kurze Hose
  • 1 lange Sporthose als Freizeithose (Beine können hochgekrempelt werden)
  • 1 T-Shirt
  • 1 Tank-Top
  • 1 bequemes Kleid
  • 1 Fleece-Shirt
  • 1 Softshell-Jacke
  • 3 Unterhosen
  • 2 Paar Socken
  • 2 Sport-BHs
  • Wanderstiefel
  • Treckingsandalen
  • Schirmmütze
  • Regencape

Die meisten Kleidungsstücke habe ich ebenfalls bei Decathlon gekauft und diese so gewählt, dass sie sich sehr gut untereinander kombinieren lassen. Auf dem Weg selbst bin ich dann mit dem Zwiebelprinzip sehr gut gefahren. Morgens habe ich mehr angezogen, so dass ich dann im Lauf des Tages, wenn es wärmer geworden ist, nach und nach immer noch irgendwas ausziehen konnte. Für abends hatte ich dann meine Freizeithose oder mein Kleid. Der Bequemlichkeit wegen.

Meine Wanderstiefel habe ich im Fachgeschäft gekauft. Euch die zu verlinken, bringt hier leider nichts, denn bei den Wanderschuhen solltet ihr euch, genauso wie beim Rucksack, sehr gut beraten lassen. Geht in ein Fachgeschäft, erzählt dem Verkäufer was ihr vorhabt, wie lange ihr unterwegs sein werdet und sagt ihm auch, wie schwer euer Rucksack in etwa sein wird. Falls er euch nicht schon selbst danach fragt. Er wird euch dann den passenden Schuh aussuchen. Und besteht auf jeden Fall darauf, auf entsprechenden Teststrecken probe zu laufen. Gute Fachgeschäfte bieten Teststrecken für bergauf / bergab, Schotter, Asphalt etc. an und die Verkäufer erkennen daran sehr gut, ob ein Schuh bei euch gut sitzt oder nicht.

Bei Unterwäsche und Socken habe ich auf hochwertige Markenprodukte aus Mikrofaser gesetzt. Die haben den Vorteil, dass sie nicht so schnell riechen und nach dem Waschen sehr schnell trocknen.

Technik

In Sachen Technik war ich sehr zwiegespalten, was alles auf dem Jakobsweg nötig ist und was nicht. Von Anfang an wollte ich aber so wenig wie möglich an Technik mit mir herum schleppen. Letztendlich sind es diese vier Teile geworden:

  • Smartphone
  • Ladekabel
  • Powerbank
  • Kopfhörer

Mein Smartphone war die Basis aller Technik. Das habe ich für so ziemlich alles benutzt. Ich habe damit fotografiert, Musik und Hörbücher gehört, Tagebuch geschrieben, Übernachtungen gebucht und natürlich auch Kontakt nach Zuhause gehalten. Der Rest war dann nur noch nötiges Zubehör. Bei der Powerbank habe ich auf die Kombination aus Leistungsstärke und niedriges Gewicht geachtet. Da die Powerbank mittlerweile aber kaputt ist und ich nicht mehr weiß, von welcher Marke sie war, kann ich die euch leider nicht verlinken.

Hygieneartikel & Co

Auch wenn auf dem Jakobsweg viele ziemlich verloddert rumlaufen, ist Hygiene wichtig. Den Tag über schwitzt man viel und wenn man in den Herbergen mit vielen fremden Menschen auf engstem Raum zusammen übernachtet, sollte man sehr auf die Hygiene achten. Ich hatte folgende Hygieneprodukte dabei:

  • Ein Stück Seife
  • Kleines Fläschchen Shampoo
  • Zahnbürste
  • Zahnpasta
  • Deodorant
  • Menstruationstasse
  • Feuchtigkeitscreme
  • Nassrassierer

Bei der Auswahl war mir sehr wichtig, möglichst wenige Dinge dabei zu haben, die auslaufen können. Daher auch Seife statt Duschgel. Mittlerweile würde ich eher festes Shampoo oder Haarseife statt normalem Shampoo mitnehmen.

Weil es sich auch nicht hat vermeiden lassen, während der Reise meine Periode zu bekommen, habe ich meine Menstruationstasse mitgenommen. Die hat den Vorteil, dass man sie lange am Stück tragen kann und keinen Müll produziert. Die Vorstellung, irgendwo auf freier Strecke den Tampon wechseln zu müssen, fand – und finde ich immer noch – grauenhaft.

Sonstiges

Neben dem Grundequipment, der Kleidung, der Technik und den Hygieneprodukten gibt es noch eine ganze Reihe mehr oder weniger wichtiger Dinge, die man einpacken sollte. Bei mir waren das die hier:

  • Trinkflasche (mind. 0,75 Liter)
  • 1 Mikrofaser-Handtuch
  • Ohrstöpsel
  • Pilgerpass
  • Ausweis
  • Geld + EC Karte / Kreditkarte
  • Krankenkassen-Karte
  • Erste Hilfe Set mit Pflastern / Blasenpflaster
  • Schmerztabletten
  • Sonnencreme
  • Tages-Kontaktlinsen
  • Sonnenbrille
  • Rei in der Tube / Kernseife
  • Kugelschreiber
  • Sicherheitsnadeln
  • kleines Nähset
  • Kajalstift
  • Haarbürste
  • Haargummis
  • Taschenlampe / Stirnlampe

Definitiv mit müssen auf jeden Fall Geld, EC-/ Kreditkarte, Krankenkassenkarte, Ausweis und Pilgerpass. Darauf lässt sich nicht verzichten. Auch nicht auf das Handtuch, Rei in der Tube oder Kernseife zum Waschen der Kleidung, Taschenlampe und/oder Stirnlampe (für Strecken, die man früh am Morgen läuft) und die Trinkflasche. Bei allen anderen Dingen muss man selbst abwägen.

Im Nachhinein hätte ich auf die Ohrstöpsel, das Erste Hilfe Set, die Tages-Kontaktlinsen, die Sonnenbrille, den Kugelschreiber, die Sicherheitsnadeln, das Nähset und auf den Kajal verzichten können. Aber bei all diesen Dingen handelt es sich um Kleinigkeiten, die nicht viel Gewicht haben. Wenn der Rucksack noch leicht genug ist, kann man das alles guten Gewissens mitnehmen.

Wenn ich erzähle, dass mein Rucksack mit all den eben aufgezählten Dingen + Proviant und Wasservorrat maximal siebeneinhalb bis acht Kilogramm gewogen hat, dann glaubt mir das fast keiner. War aber so. Und das Gewicht war für mich absolut perfekt. So dass ich den Rucksack schon nach wenigen Tagen kaum mehr gespürt habe.

An Equipment habe ich rein gar nichts vermisst. Wir haben uns zwischendurch mal eine Bodylotion gekauft, die aber in einer der nächsten Herbergen ziemlich schnell wieder zurück gelassen. Auch dass keine Badesachen dabei waren, hat nicht gestört. In Unterwäsche lässt es sich auch gut in Pools, Seen, Bächen oder im Meer plantschen.


Das war jetzt also meine persönliche Packliste für 3 Wochen auf dem Jakobsweg. Wenn ihr selbst mit dem Gedanken spielt, eine Pilgerreise zu unternehmen und ihr euch bei dem ein oder anderen noch nicht sicher seid, dürft ihr mich jederzeit gerne anschreiben und ich gebe mein Bestes, euch zu helfen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Fragen rund um den Jakobsweg an sich, zu Unterkünften, Flügen, wanderbedingte Gesundheitsprobleme und was man sonst alles noch wissen wollen könnte. Über das folgende Kontaktformular könnt ich mich jederzeit ganz easy erreichen:

Die hat dieser Beitrag gefallen? Dann merke ihn dir doch für später oder teile ihn mit deinen Freunden:

Categories:

Tags:

9 Responses

  1. Hört sich gut an. Was du überdenken könntest wäre die Powerbank. Strom gibt es überall und tendenziell nutzt man sein Smartphone eher weniger als zuhause. Zudem wiegt so ein Akku auch relativ viel.

    • Hi Chris,
      vielen Dank für die Anregung. Wir werden auf dem Jakobsweg insgesamt zu dritt unterwegs sein und in den Pilgerunterkünften ist das mit dem Strom teilweise nicht ganz so easy. Die Powerpank kommt daher definitiv mit ;) Kann ja abwechselnd getragen werden^^

  2. huhu :)

    sehr interessant zu lesen. gerade auch weil du einen kajal einpackst. wenn es bei mir in 5 wochen losgeht, hatte ich make up bisher so gar nicht auf den plan… ich bin gespannt ob und wie oft ich meine liste noch verändern werde *gnhihi*

    ich wünsche dir auf jeden fall einen tolle zeit und bin schon auf deinen bericht danach gespannt :D

  3. Darf ich fragen welche Wasser-/trinkflasche du da mitnimmst? Und wirst du danach noch einen Beitrag dazu machen ob du alles gebraucht hast bzw was gefehlt hat?

    Viele Grüße Vanessa

    • Liebe Vanessa, ich habe eine ganz einfache Plastik-Trinkflasche mit Henkel von Decathlon. Die hat rund 2.- Euro gekostet. Wichtig war mir, dass die Flasche leicht ist, gleichzeitig aber trotzdem robust und dass sie einen Henkel hat, an dem ich eine Schnur befestigen kann. Ich werde die Flasche dann einfach an den Rucksack hängen. Mit Sicherheit werde ich nach der Reise noch diverse Blogposts dazu veröffentlichen :)

  4. Liebe Monica,
    was für eine tolle Sache! !!!
    Seit einer Weile beschäftige ich mich auch mit der Idee, den Camino zu gehen. Dummerweise müsste ich mich, als Lehrer, auf die Ferien begrenzen. Was zeitliche Einschränkungen bedeuten würde. Aber das ist ja mal zweitrangig. ..
    Wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg, Spaß und vor allem Ausdauer und Kraft für deine anstehende Pilgerreise! !!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 4.637 anderen Abonnenten an

Blogstatistik
  • 908.844 Besuche
%d Bloggern gefällt das: