Post Corona Feelings: Muss ich mich jetzt zwanghaft wieder ins Partygetümmel stürzen?

Covid hat uns allen ziemlich zugesetzt. Dem einen etwas mehr, dem anderen etwas weniger, aber Einschränkungen mussten wir alle hinnehmen. Nun entspannt sich die Lage langsam. Der Alltag normalisiert sich und die ersten Veranstaltungen und Events finden wieder statt. Deutschland feierts. Endlich wieder im Restaurant essen gehen, sich ein Bierchen in der Kneipe genehmigen und im Club die Nacht durchtanzen. Und ich? Ich fühle mich einfach nur gestresst.

A little party never killed nobody

Am Wochenende findet bei mir in der Stadt ein großes Musikevent statt. In fast jeder Kneipe spielt eine andere Band und die ganze Stadt wird auf den Beinen sein. Die Menschen werden feiern, singen, trinken und es genießen, dass wir endlich wieder ein Stück Normalität zurück haben. Ich dagegen schwanke zwischen „Du darfst endlich wieder, also musst du unbedingt mitmachen“ und „Die Wochenenden auf dem Sofa waren aber auch ganz schön.“

crowd dances in blue painted enclosure
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Was wird passieren, wenn ich sage, dass ich nicht mitkommen möchte? Wird man das verstehen oder wird man versuchen, mich zu überreden? „Komm doch mit. Wenigstens ein Stündchen. Der Spaß kommt von ganz alleine. Spätestens nach dem zweiten Weinschorle.“ Wird man mich für einen Spielverderber halten, wenn ich trotzdem nein sage? Und was, wenn ich ja sage? Werde ich dann, wie früher, in einer verratzen Kneipe sitzen, Musik hören, die mir schon nach drei Songs auf die Nerven geht, mich mit Menschen unterhalten, die ich schlimmstenfalls gar nicht mag, ein Weinschorle trinken, dann ein zweites, ein drittes, vielleicht ein viertes und dabei viel zu viel rauchen? Nur, damit es mir am Samstagfrüh schlecht geht und ich den Rest des Wochenendes auf dem Sofa hänge. Nicht weil ich will, sondern weil ich sonst nichts anderes auf die Reihe bekomme. Ist es das wert?

Muss ich? Soll ich? Darf ich nein sagen?

Die Einschränkungen während der Pandemie haben viel Ruhe in mein Leben gebracht. Ich war plötzlich nicht mehr in Erklärungsnot, wenn ich mal wieder keine Lust dazu hatte, raus zu gehen. Konnte mich zuhause einigeln, ohne dass irgendwer versucht hat, mich zu etwas anderem zu überreden. Muss ich das alles wieder aufgeben? Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich die Freiheiten, die wir endlich wieder zurück haben, gar nicht nutzen möchte? Wenn es mir damit gut geht, meine Wochenenden Zuhause zu verbringen?

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Laut einer Umfrage des Generationenforscher Rüdiger Maas vom „Institut für Generationenforschung“ in Augsburg vermissen 8 % der Deutschen den Pandemie-Alltag und die Einschränkungen des Lockdowns. Die Ruhe im Home Office. Ganze Tage im Schlafanzug. Keine sozialen Verpflichtungen. Entschleunigung. Und offensichtlich bin ich eine davon.

Ich hab wirklich keine Angst davor, wieder Menschenmassen um mich zu haben. Mich mit irgendwas anzustecken. Krank zu werden. Ich hab nur schlichtweg nicht das Bedürfnis, zwanghaft alles nachholen zu müssen, was wir in den letzten zwei Jahren verpasst haben. Meiner Meinung nach habe ich nämlich überhaupt nichts verpasst. Klar, da waren ein paar Konzerte, für die ich Karten hatte und die langsam aber sich doch mal nachgeholt werden könnten, aber alles in allem habe ich tatsächlich nicht das Gefühl, irgendwas versäumt zu haben. Es kommt mir aber so vor, als ob ich mich dafür schlecht fühlen müsste. Und das ist doch ziemlich idiotisch!

Vielleicht werde ich wirklich nicht zu dem Musikevent mitgehen. „Dürfen“ bedeutet schließlich nicht müssen. Und wenn ich Zuhause sitze, meine Freunde ein ausgelassenes Partybild nach dem anderen über Whatsapp schicken und ich doch noch Lust bekommen sollte, dann kann ich ja immer noch gehen. Sind schließlich nur 10 Minuten bis zur nächsten Kneipe. Jetzt darf ich ja wieder. Wenn ich will!

In diesem Sinne – Ein schönes Wochenende euch. Und immer dran denken: Es ist euer Leben. Eure Entscheidung. Und ein Nein ist immer okay! Auch nach Corona.

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