Vegetarisch durch die Fastenzeit – Zwischenstand nach 1,5 Wochen

Draussen prasselt der Regen an mein Bürofenster. Gerade so, als würde das Wetter meinen Gemütszustand nachahmen. Heute habe ich schlechte Laune. Unfassbar schlechte sogar. Es ist mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub, ich bin müde, habe Kopfschmerzen, meine Lieblingskollegin ist krank und ich habe Hunger. So sehr Hunger. Auf Fleisch, auf Wurst, ja so ziemlich auf alles, was herzhaft ist. Seit anderthalb Wochen bin ich am Fasten und habe kein Fleisch mehr gegessen.

Der Startschuss zu meinem Fastenprojekt ist am Aschermittwoch gefallen. Warum ich das Ganze genau mache, habe ich in diesem Beitrag bereits erzählt: Projekt „Vegetarisch durch die Fastenzeit“ und heute will ich mal ein kleines Zwischenfazit ziehen.

Der große Currywurst-Schmach und andere Fails

Eines vorweg: entgegen meiner Erwartung habe ich während der ersten anderthalb Wochen noch keinen richtig großen Hänger gehabt. Ich bin weder schwach geworden und habe heimlich Fleisch gegessen, noch habe ich übermässig nach Fleisch und/oder Wurst gequengelt. Bis auf heute halt. Was mir aber extrem aufgefallen ist, ist die Tatsache, wie allgegenwärtig Fleisch überall ist.

Gleich am ersten Arbeitstag bin ich in der Mittagspause im Supermarkt gestanden und habe plötzlich nicht mehr gewusst, was ich essen soll. Leberkäsbrötchen, Schinkensandwich, Frikadellen & Co – alles tabu. Mein erster Alternativgedanke: Tunfischsalat. Und dann stand plötzlich die Frage im Raum, ob ich mir Fisch eigentlich erlaube oder nicht. Weil Fische aber ja auch Tiere sind, habe ich für mich entschieden, dass mein Fastenprojekt Fisch mit einschließt. Doppelt doof. Nix mit Tunfischsalat. Ich habe mir dann eine Pizzaschnitte „Margarita“ beim Bäcker geholt und war erstmal happy. Bis zum Feierabend. Auf dem Nachhauseweg bin ich dann nämlich, wie jeden Tag, an einer Imbissbude vorbei gekommen. Und ich könnte schwören, dass der Geruch nach Currywurst und Gyros unverhältnismässig stärker war, als jemals zuvor. Das haben die sicherlich extra gemacht. Nur um mich zu ärgern.

Die nächsten Tage sind dann eigentlich ganz gut gelaufen. Ich habe mir eine riesige Portion Gemüselasagne gekocht und weil der nicht mitfastende Ehemann darüber nur so semiglücklich war, habe ich ein paar Tage lang Lasagne gegessen. Und Käsebrote.

Problemfall eins: Auswärts essen

Richtig schwer gefallen ist mir der Verzicht auf Fleisch das erste Mal, als ich außer Haus gegessen habe. Bei der Dönerbude ging es noch – da habe ich mir Döner ohne Fleisch mit Schafskäse bestellt und das war richtig lecker. Aufgeregt hat es mich allerdings, als ich mit dem Mann essen war. In den deutschen Restaurant bei uns in der Stadt hätte ich zwischen Käsespätzle und Salat wählen können. Wollte ich aber nicht. So sind wir schließlich zum Griechen und dort hat es tatsächlich auch nur zwei vegetarische Gerichte gegeben. Am Schluss ist es auf panierten Schafskäse mit frittierten Kartoffelscheiben raus gelaufen und ich habe sabbernd die Souvlaki-Spieße von meinem Mann angeschmachtet. Sein Essen sah einfach genauso aus, wie ein Essen beim Griechen aussehen muss. Meins war dagegen irgendwie lieblos hingeklatscht. So als hätte man auf Biegen und Brechen was vegetarisches anbieten wollen, das Ganze aber nicht so richtig geil hinbekommen. Wirklich schade.

Problemfall zwei: Kochen für Fleischesser

Natürlich hat es sich auch nicht vermeiden lassen, dass der Mann irgendwann zuhause nach Fleisch verlangt hat. Ich habe ihm Schnitzel gekocht und er war glücklich. Für mich gab es Knödel mit Soße ohne Schnitzel und eigentlich war ich damit auch ganz happy. Auf unserer Geburtstagsparty letztes Wochenende gab es dann Pizzabrötchen. Für alle Gäste mit Schinken und Salami. Für mich nur mit Paprika und Mais. Und für den kleinen Neffen Wiener Würstchen mit Ketchup. Da war ich schon wieder ein wenig neidisch und an den übrig gebliebenen Würtschen bin ich noch tagelang sabbernd herumgeschlichen. Am Ende hat sich der Hund darüber gefreut.

Zwischenfazit

Mein Zwischenfazit nach den ersten anderhalb Wochen: Kein Fleisch zu essen geht erstaunlich gut, ist aber sehr nervig, wenn man für Fleischesser kochen muss. Wurst auf dem Brot fehlt mir kaum, aber auswärts vegetarisch zu essen, finde ich wirklich nicht leicht. Zumindest nicht bei uns in der Pampa. In Großstädten mag das anders aussehen, aber die schwäbische Provinz ist scheinbar noch immer komplett auf Fleisch fixiert. Alles in allem waren diese ersten anderthalb Wochen aber weniger schwer als gedacht und ich bin mir mittlerweile recht sicher, dass ich bis Ostern gut durchhalte. Und ein paar Pfunde sind nebenbei auch gepurzelt. Da beschwer ich mich doch lieber mal gar nicht!

Fastest du auch? Wenn ja, auf was verzichtest du und wie klappt es bisher?

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2 Comments

  1. Vero de Baviere says:

    Hallo Monika,
    ich kann es nur bestätigen: zum Griechen (zumindest in der Provinz) zu gehen wenn man Vegetarier isst, ist keine gute Idee. Ich habe es schon mit einer vegetarischer Freundin erlebt: tolle Fleisch- und Fisch-Gerichte aber nur 2 kleine lieblose vegetarische Gerichte. In solch einem Fall ist man besser beim Italiener oder Deutscher bedient.
    Was kochen angeht, machst Du Dir selbst das leben schwer. Wenn Du im Moment vegetarisch isst und Dein Mann will etwas anderes, dann soll er sich doch selbst sein Schnitzel machen! Und wieso keine vegetarische Geburtstagsparty. Das wäre doch etwas anderes und originales gewesen.
    Gruß

    2 Comments
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    1. Monica Albrecht says:

      Hi Vero,
      so schlimm finde ich es tatsächlich gar nicht, mit Fleisch zu kochen. Ich probier das Essen dann halt nicht :) Bisher hat es noch jedem geschmeckt. Selber kochen lasse ich meinen Mann lieber nicht. Der fackelt mir dabei nur noch die Küche ab^^

      Eine vegetarische Geburtstagsparty wäre tatsächlich witzig gewesen.. aber ich glaub da wären alle 11 Gäste nicht so ganz einverstanden gewesen.. das sind einfach Fleischesser durch und durch.. Und auf Missionstour will ich da jetzt auch nicht gehen. Soll jeder machen wie er mag.

      Liebe Grüße
      Moni

      2 Comments
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