Camino Frances 2016 – Tag 15: Von Arzua nach Lavacolla (28 km)

Samstag, 17.09.2016 – Santiago ruft schon

Heute steht bereits die vorletzte Etappe an. Gini und Andi wollen bis nach Monte de Gozo gehen und Dirk, Sandra und ich haben uns als Tagesziel auf das 28 km entfernte Lavacolla festgelegt. So wirklich eilig hat es heute früh aber niemand und so trödeln wir alle nach dem Aufstehen relativ lange herum. Weil Gini und Andi noch gemütlich frühstücken wollen, wir dagegen gar keinen Hunger haben, lassen wir die beiden schließlich in Arzua zurück und brechen mal wieder nur zu dritt auf.

Aus Arzua sind wir schnell raus und ich bin plötzlich ziemlich froh, dass unsere Unterkunft direkt am Ortsende gelegen ist. Gestern fand ich das zwar noch doof, aber so muss ich mich jetzt nicht durch die gerade aufwachende Stadt quälen, sondern bin ich direkt in der Natur und kann nochmal die Ruhe genießen.

Die Ruhe genießen ist dann auch das Motto des restlichen Tages. Weite Strecken gehen wir getrennt voneinander, kaum einer spricht und jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Aus diesem Grund ist dieser Etappenberichte auch der Kürzeste von allen. Es hat schlichtweg kaum jemand Fotos gemacht und einen Tagebucheintrag über den heutigen Tag habe ich auch nicht geschafft.

Nachdem wir den Vormittag über fast durchweg durch Wälder und Hohlwege gewandert sind, kommen wir gegen Mittag langsam wieder in Richtung Zivilisation. Die ersten Schilder und Wegsteine verkünden, dass es bis Santiago nur noch wenige Kilometer sind und mit dem Auto könnten wir jetzt tatsächlich in unter 20 Minuten am Ziel sein. Zuerst müssen wir aber am Flughafen von Santiago vobei. Nicht sonderlich schön, aber ganz interessant.

Die Strecke bis nach Lavacolla ist an diesem Tag schneller vorbei als erwartet und früher als uns lieb ist, stehen wir dann auch schon vor der Pilgerherberge. Wir sind mal wieder sehr früh dran und ausser uns sind noch kaum andere Pilger da. Die Herberge selbst ist groß. Und steril. Total unpersönlich. So eine typische Massenunterkunft, die wir bisher immer ganz gerne umgangen haben. Der Schlafsaal ist gigantisch. Stockbett steht an Stockbett und dazwischen reihen sich Spinde wie in einer Umkleidekabine. Gemütlich ist definitiv anders. Hier hält uns so überhaupt nichts.

Nach dem obligatorischen Duschen, Wäsche waschen, Bett beziehen und Rucksack packen, wollen wir nur noch aus der Unterkunft raus und ein bisschen die Stadt erkunden. Die gibt aber so gar nix her. Außer einer Bushaltestelle, einem kleinen Supermarkt, einer Kirche und ein paar wenigen Bars ist hier nichts interessantes zu finden. In einer der Bars auf dem Marktplatz vertrödeln wir dann schließlich auch den restlichen Tag, bevor wir uns – selbst für unsere Verhältnisse – extrem früh in die Betten schmeissen.

Alles in allem ein unspektakulärer Tag… aber morgen, da kommt dann endlich Santiago.


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