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Heute früh habe ich eine E-Mail erhalten. Soweit so gewöhnlich. Auf dem Mailaccount meines Blogs trudeln täglich haufenweise E-Mails ein. Kooperationsanfragen, Werbung, Pressemeldungen, Leseranfragen. Die heutige Mail war aber anders. Sie kam von Manja – einer ganz alten Freundin von mir. Wir kennen uns locker seit 20 Jahren – haben sogar eine zeitlang zusammen in einer WG gewohnt. Bis uns das Leben auseinander getrieben hat. Heute fragt sie mich, ob es mir gut geht. Sie vermisst mich auf Instagram und hofft, dass nichts schlimmes passiert ist.

Ich muss ein wenig schmunzeln. Seit Dezember 2021 inszeniere ich mein Leben nicht mehr öffentlich auf Instagram. Zehn Jahre lang habe ich das getan. Fast jeden Tag. Und kaum höre ich auf damit, macht man sich Sorgen. Als würde sich das Leben nur noch um soziale Medien drehen. Allerhöchste Zeit also für ein Statement zu meiner Social Media Abstinenz:

Kurz vor Weihnachten 2021 habe ich mich dazu entschlossen Instagram und TikTok von meinem Smartphone zu verbannen und meine Freundesliste auf Facebook radikal auszumisten. Ursprünglich hatte ich lediglich eine zwei- bis dreiwöchige Auszeit geplant, mittlerweile habe ich diese Auszeit aber auf unbestimmte Zeit verlängert. Alleine bin ich damit übrigens nicht. Immer häufiger schließen zum Teil auch große Influencer und Youtube-Stars ihre Accounts und ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Die Gründe dafür ähneln sich: Überforderung, Depressionen, das Gefühl, nur noch für die Follower zu leben, BurnOut.

Nun bin ich mit meinen rund 4.000 Followern auf Instagram und mit ein paar hundert Lesern dieses Blogs ja weit davon entfernt, ein „Internet-Star“ zu sein, trotzdem kann ich es aber sehr gut nachvollziehen, wie sich eine Sophia Thiel oder ein Julien Bam fühlt. Wenn man – egal auf welche Art und Weise – in der Öffentlichkeit steht, ist der Druck enorm. Egal ob bei 400.000 oder 4.000 Followern. Content-Planung, Content-Produktion und Content-Verbreitung bestimmen den Alltag. Jeden Tag. Es ist kaum noch möglich, irgendwas zu tun, ohne vorher zu prüfen, ob man daraus nicht eventuell neuen Content kreieren kann. Egal ob es ums Kochen, Gartenarbeit, Shopping, den Hund oder um Freizeitaktivitäten mit der Familie geht. On Top kommt der Kontakt mit den Followern, der gepflegt werden will, Kooperationen mit Firmen, Auswertung von Statistiken, Verpflichtungen, Deadlines, Buchhaltung, Finanzamt. Und nebenbei der ständige Vergleich mit der Konkurrenz.

Soziale Medien sind schon lange nicht mehr, was sie eigentlich einmal sein sollten. Sie sind ein Haifischbecken geworden, in dem ein nicht enden wollender Kampf um Likes und Follower herrscht. Und in dem es um Geld geht. Extrem viel Geld. Auch ich wollte ein Stück von dem Kuchen abhaben und bin 2012 ganz freiwillig in dieses Haifischbecken gesprungen. Heute, zehn Jahre später, hab ich mich mühsam wieder rausgekämpft. Und dieser Prozess war gar nicht so einfach, denn die Angst, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden und plötzlich einsam zu sein, ist enorm.

Die gute Nachricht: Auf soziale Medien zu verzichten, macht gar nicht so einsam, wie man denken mag. Klar, ich habe mittlerweile sehr viel weniger Kontakte zu anderen Menschen. Aber ist das wirklich so schlimm?

Die ersten Tage ohne Instagram war es das auf jeden Fall. Ich habe unter einem regelrechten Entzung gelitten und der Impuls, die App zu öffnen, war ständig da. Ein klassischer Fall von Fomo. Also „Fear of missing out“ – die Angst, etwas zu verpassen. Schon bei dem Gedanken daran, dass mir einer meiner Follower geschrieben haben könnte und ich nicht antworten kann, hat mir Bauchschmerzen verursacht. Und dass ich nicht mitbekommen habe, was die Leute, denen ich selbst folge, so machen, hat ein schlimmes Gefühl von Isolation ausgelöst. Heute, anderthalb Monate nachdem ich Instagram gelöscht habe – kann ich darüber nur noch lachen. Was verpasse ich denn? Im Grunde gar nichts.

Gut, ich habe verpasst, dass Caro von Parzelle 14 jetzt scheinbar einen Hund hat. Aber sonst? Ich könnte heute nichtmal mehr 20 Accounts aufzählen, denen ich folge. Abgesehen von den Accounts von Familie und engen Freunden natürlich. Es interessiert mich auch schlichtweg nicht mehr, wer gerade welche Fitness-Challenge macht, wer wo im Urlaub war, wer was am Wochenende gemacht hat und was so auf den Tellern gelandet ist. Wichtig ist nur noch, was ich mache. Für mich alleine. Für meine Familie und für meine Freunde.

Seit ich auf Instagram & Co verzichte, hat sich meine ganz persönliche Lebensqualität enorm gesteigert:

  • Ich lese wieder sehr viel mehr. Richtige Bücher zum Anfassen. Keine Hörbücher oder digitale Varianten
  • Ich male und experimentere mich verschiedenen Stilen und Materialien
  • Ich unternehme längere Spaziergänge mit dem Hund
  • Ich gönne mir viel mehr Sachen einfach nur für mich. Zum Beispiel ein Blumenabo, das mich alle zwei Wochen mit einem superschönen Blumenstrauß erfreut. Oder neue Wohnzimmermöbel. Und das ganze ohne mir dafür Applaus von meinen Followern zu holen.
  • Ich spare enorm viel Zeit, weil ich einfach nicht mehr ständig am Handy hänge und sinnlos durch Apps scrolle.
  • Ich habe wieder Spaß an Dingen wie Kochen, Backen oder Gartenarbeit. Weil ich es wieder nur für mich alleine mache und weil es auch auch einfach mal wieder unspektakulär sein darf.
  • Meine Wohnung ist fast immer tiptop aufgeräumt und die Hausarbeit ist sehr viel weniger nervig. Ich kann mir wieder Zeit damit lassen kann und habe nicht mehr ständig irgendeine Deadline im Nacken sitzen, die eventuell wichtiger sein könnte.
  • Mein Feierabend ist wirklich Feierabend. Zeit für mich und meine Familie. Ganz ohne ständig Likes oder Follower im Kopf zu haben.
  • Die Qualität der Kontakte, die ich noch habe, ist enorm gestiegen. Beschränkt sich nicht mehr auf ein schnelles Like oder einen kurzen Kommentar, sondern geht sehr viel tiefer.
  • Ich hab sogar abgenommen. Ein toller Nebeneffekt, wenn man öfter und länger mit dem Hund rausgeht und nicht mehr ständig tolle Rezepte aus dem Ärmel schüttelt.

Zusammengefasst kann man sagen, dass mein Leben ohne soziale Medien sehr viel relaxter geworden ist und sehr an Qualität gewonnen hat. Einsam fühl ich mich dabei kein bisschen. Der Impuls, zu Instagram & Co zurück zu kehren, wird sogar mit jedem Tag kleiner und kleiner.

Wundert euch also bitte nicht, wenn meine Social Media Profile auch weiterhin nicht mehr mit News bespielt werden. Mir gehts es hervorragend und es muss sich niemand Sorgen um mich machen. Und falls ihr doch mal das dringende Bedürfnis habt, mit mir in Kontakt zu treten, dann machts doch einfach wie Manja: Schreibt mir ganz oldscool eine E-Mail ;)


Übrigens: Falls ihr du dich ebenfalls für den Ausstieg aus sozialen Medien interessierst, empfehle ich sehr die folgenden Artikel:

https://www.tagesanzeiger.ch/digital/social-media/gluecklich-ohne-social-media/story/31876650

https://www.familie.de/familienleben/5-gruende-warum-eure-beziehung-ohne-social-media-gluecklicher-ist/

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3 Gedanken zu „Isolated – Macht Social Media Boykott einsam?“
  1. Hallo!

    Das erinnert mich an einen alten Cartoon. Im Bild eine Bestattung, Sarg bereits heruntergelassen, anwesend sind nur Sargträger und Pfarrer mit Sprechblase: Liebe Gemeinde, … er hatte Freunde. Sehr viele Freunde. Facebook-Freunde.

    Dein Verzicht auf Social-Media-Kontakte und anschließender Gewinn an Lebensqualität bewahrheitet den Spruch „Weniger ist mehr“. (Und, möchte ich im Umkehrschlussverfahren formulieren, Zuviel ist Nichts.)

    Das Loslassen Gewinn ist, merkte ich am deutlichsten mit meinem Eintritt in den Ruhestand aus dem Schuldienst weg. In diesem hatte man täglich ein halböffentliches Publikum von 150 Leuten und mehr, von denen ein Teil auf Machtkampf gebürstet war, so dass man unter ständigem Rechtfertigungsdruck stand. Mein Restleben genieße ich daher ebenfalls mit stillen Beschäftigungen und mit meinen familiären Beziehungen, und auf Zombie-Meetings alias Pensionärstreffen (dort sind die Rechthabereischrappnelle und Besserwissereigranaten, die mir früher wöchentlich um die Ohren geflogen sind, ganz analog, nicht virtuell auf Social media – warum fällt mir dafür die Abkürzung SM ein?) habe ich keinen Appetit.
    Übrigens habe ich nach meiner Zurruhesetzung auch abgenommen – 15 kg ganz ohne Diät und Hungern.
    Deine Erfahrungen haben etwas, was mehr Menschen teilen, als man vordergründig vermutet.

    Bleib dir selbst treu, alles Gute

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