Eine Frau sitz in der Küche auf dem Boden vor ihrem Putzmittelschrank und sieht unfassbar gestresst aus

Reizüberflutung im Haushalt: Wenn plötzlich alles zu viel ist (und was dagegen hilft)

An manchen Tagen passiert gar nicht besonders viel und trotzdem fühlt man sich sich plötzlich, als wäre der Kopf übervoll. Genau so einen Tag hatte ich neulich. Eigentlich war es ein ziemlich entspannter Tag. Kein voller Terminplan, kein besonderer Stress. Ich war im Home Office und habe vor der Arbeit und während meine Pausen einfach ein paar Kleinigkeiten im Haushalt erledigt: eine Ladung Wäsche angeschmissen, die Betten gemacht, die Spülmaschine ausgeräumt- was man eben so jeden Tag macht. Nichts davon war besonders anstrengend. Aber je mehr ich gemacht habe, desto mehr Dinge sind mir aufgefallen. Und irgendwann war sie da: Die totale Reizüberflutung.

Wie aus einer kleinen Aufgabe plötzlich fünf werden

Gekippt ist das Ganze, als ich meinem Hund nach der Feierabend-Gassirunde das Fressen fertiggemacht habe.

Ich habe die Küchenwaage aus der Schublade geholt um das Hundefutter abzuwiegen. Dabei habe ich gesehen, dass die Schublade schon wieder voller Krümel war und die Küchenwaage mit Hundefutter verschmiert war. Also hab ich mein Putzmittel aus dem Schrank geholt, um die Schublade kurz sauber zu machen. Dabei habe ich gesehen, dass mein Putzmittelschrank selbst ziemlich dreckig war. Also dachte ich: Dann mache ich den eben auch noch schnell. Und gerade als ich mit halbfertig gefülltem Hundefutternapf auf dem Boden kniend halb im Putzschrank steckte, kam mein Mann nach Hause.

Er legte Schlüssel, Sonnenbrille und Handy auf die Küchenarbeitsplatte und wollte mich begrüßen. Und ich bin innerlich komplett explodiert.

Nicht wegen der Brille. Oder wegen des Handys. Und auch nicht, weil mein Mann allgemein nach Hause gekommen war. Ich war einfach gerade mitten in meiner Aufgabe. Ich war konzentriert, körperlich halb in diesem Schrank und wollte diese eine Sache einfach kurz zu Ende bringen. Und plötzlich sollte ich meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten. Plötzlich war nur noch dieser Gedanke im Kopf:

„Junge, du siehst doch, dass ich hier gerade was mache. Lass mich das doch einfach kurz fertig machen.“

Rückblickend war meine Reaktion größer als der konkrete Anlass. Aber genau dieser Moment hat mir wieder gezeigt, wie sich mentale Überstimulation im Haushalt zeigt.

Wenn dein Kopf schon voll ist

Überstimulation verbinden wir oft mit lauten Geräuschen, vielen Menschen, ständigem Handy-Gebimmel oder einer hektischen Umgebung. Aber manchmal ist es eben auch viel unspektakulärer. Manchmal sitzt du mitten in deinem ganz normalen Alltag und merkst plötzlich:

Ich kann gerade einfach nichts mehr zusätzlich aufnehmen.

Der Haushalt kann dafür ein ziemlich guter Nährboden sein, denn während du eine Sache erledigst, entdeckst du ständig die nächste:

Du willst die Wäsche erledigen und kommst auf dem Weg zur Waschmaschine an deinem Schreibtisch vorbei. Dort liegen ungeöffnete Briefe und dir fällt ein, dass du die dringend bearbeiten musst. Dabei fällt dir ein, dass du deinen Dokumentenordner längst mal aussortieren und digitalisieren wolltest. Und beim Stichwort Digitalisieren fällt dir ein, dass du noch drei unbeantwortete E-Mails im Postfach hast.

Du erledigst eine Aufgabe und plötzlich steht schon die nächste vor dir. Nicht unbedingt, weil dein Haushalt besonders chaotisch ist, sondern weil ein Haushalt voller Dinge ist, die potenziell deine Aufmerksamkeit bekommen können.

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Du siehst nicht nur Dinge, du nimmst sie als Aufgabe wahr

Eine schmutzige Arbeitsfläche ist nicht einfach nur eine schmutzige Arbeitsfläche. In deinem Kopf kann daraus sofort werden: „Das müsste ich noch putzen.“ Ein voller Wäschekorb bedeutet: „Das muss ich noch waschen.“ Etwas, das nicht an seinem Platz liegt: „Das müsste ich eigentlich noch wegräumen.“ Jeder einzelne Reiz ist klein. Aber wenn den ganzen Tag neue dazukommen, kann irgendwann die Kapazität fehlen, noch einen weiteren aufzunehmen. Und dann kann eine völlig harmlose Sache plötzlich unglaublich nervig werden. Nicht weil sie objektiv schlimm ist. Sondern weil sie gerade noch obendrauf kommt.

Vielleicht musst du nicht mehr schaffen

Die war für mich die wichtigste Erkenntnis aus dieser Situation: Wenn ich merke, dass mir alles zu viel wird, ist mein erster Impuls oft: Dann muss ich eben noch schnell Ordnung schaffen. Noch den Schrank fertig machen, die Arbeitsfläche putzen, die Sachen wegräumen, noch schnell dieses oder jenes erledigen.

Aber genau das kann die Situation verschlimmern. Denn wenn ich bereits überreizt bin, brauche ich nicht unbedingt weniger Unordnung. Im Gegenteil: Ich brauche weniger Reize. Dann darf der Schrank eben noch eine Weile so bleiben. Die Krümel dürfen liegen bleiben. Die nächste Aufgabe darf warten. Und ich darf auch einfach aufhören.

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Du siehst etwas, aber du musst nicht darauf reagieren

Ein kleiner Unterschied, der im Alltag erstaunlich viel verändern kann: Du kannst sehen, dass etwas schmutzig ist und trotzdem entscheiden, dass du das später machst. Oder an einem ganz anderen Tag. Du kannst sehen, dass etwas herumliegt und musst trotzdem nicht sofort aufspringen, um es wegzuräumen. Du kannst während des Aufräumens etwas entdecken, das eigentlich auch gemacht werden müsste und trotzdem bei deiner ursprünglichen Aufgabe bleiben.

Du musst nicht alles direkt erledigen, nur weil du es siehst

Dieser Satz hilft mir gerade ziemlich. Denn vielleicht ist ein ruhiger Haushalt gar nicht der Haushalt, in dem alles perfekt sauber und ordentlich ist. Vielleicht ist es ein Zuhause, in dem nicht alles gleichzeitig nach meiner Aufmerksamkeit verlangt.

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Ein Haushalt darf auch einfach mal fertig sein

Ich möchte gar nicht mehr versuchen, meinen Haushalt so perfekt zu organisieren, dass mich nie wieder etwas stresst. Das wäre absolut unrealistisch. Ich möchte vielmehr lernen, meine Aufmerksamkeit bewusster zu verteilen. Eine Aufgabe anfangen und sie bis zum Ende fertig zu machen. Und erst dann zu entscheiden, ob überhaupt noch eine weitere dran ist. Ich möchte nicht mehr jedem sichtbaren Problem hinterherlaufen. Nicht aus jedem „Oh, das müsste man eigentlich auch mal machen“ sofort ein „Dann mache ich es jetzt“ machen.

Und manchmal einfach sagen: Für heute reicht’s.

Denn ein guter Haushalt bedeutet für mich nicht, dass immer alles erledigt ist. Er bedeutet, dass mein Zuhause mir das Leben leichter macht und nicht ständig neue Aufgaben in meinen Kopf legt.

Ich muss nicht alles erledigen, nur weil ich es sehe. Und du auch nicht!

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