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Schau nicht weg, wenn jemand Hilfe braucht! Warum Zivilcourage so verdammt wichtig ist!

Stell dir vor du hast Feierabend. Es ist Montag, du hast einen echt harten Tag hinter dir und eigentlich willst du nur schnell mit dem nächsten Zug nach Hause fahren und deine Ruhe haben. Doch dann siehst du plötzlich eine Person bewusstlos auf dem Boden liegen. Dein Adrenalin steigt, dir schiessen tausend Sachen durch den Kopf und plötzlich ist dein Feierabend, der Montag, ja sogar die Sehnsucht nach Ruhe ganz weit weg.

Sowas passiert doch immer nur anderen

Du glaubst nicht, dass dir so etwas passieren kann? Täusch dich da mal lieber nicht, denn exakt das ist mir gestern im Zug nach Hause passiert.

Da ich jahrelang Mitglied beim Roten Kreuz war, stand es für mich zu keiner Zeit zur Debatte, nicht zu helfen. Das antrainierte Wissen war sofort wieder da und so kniete ich schon Sekunden später auf dem schmutzigen Boden des Regionalzugs und spulte das volle Erste Hilfe Programm ab: Vitalcheck, stabile Seitenlage, Notruf und – ganz wichtig – einfach da sein und dem Verletzten zeigen, dass er nicht alleine ist. So lange bis der Notarzt da ist. Auch wenn man dadurch noch später nach Hause kommt.

Die Angst vor Helfen

So selbstverständlich es für mich auch war, zu helfen, so weiss ich doch auch, dass wirklich viele Menschen ein großes Problem mit so etwas haben. Meist liegt dies nichtmal daran, dass man nicht helfen möchte, sondern an der Angst, irgendetwas falsch zu machen.

Gar nichts zu tun und wegzuschauen, ist aber tausendmal schlimmer, als etwas falsch zu machen. Und genau aus dem Grund schreibe ich heute diesen Beitrag. Ich möchte dir Mut machen, zu helfen, wenn Hilfe gebraucht wird.

Sei niemand, der einfach nur rumsteht, gafft und wartet. Sei selbst derjenige, der das Ruder in die Hand nimmt und hilft. Du weisst nie, ob du nicht vielleicht schon Morgen selbst auf so einen Menschen angewiesen sein wirst.

 

5 Tipps für den Umgang mit Notsituationen

 

Hab kein schlechtes Gewissen, wenn du unsicher bist und dich hilflos fühlst

Unsicherheit ist in einer solchen Situation mit das Erste, was man fühlt. Man ist überfordert, hat keine Ahnung, wie man reagieren soll und vielleicht hat man sogar den Reflex, einfach wegzuschauen und zu gehen. Es wird ja sicherlich irgendjemand anderes helfen.

Hab bitte kein schlechtes Gewissen, wenn du solche Gefühle hast. Sie sind völlig normal. Lass sie ruhig zu – aber lass sie nicht überhand nehmen. Und lass dich durch solche Gefühle erst recht nicht davon abhalten, zu helfen.

Nicht warten – einfach hingehen und machen!

Denke nicht weiter darüber nach, ob vielleicht jemand anderes besser oder schneller helfen könnte. Schau dich nicht um, ob jemand anderes da ist, der eventuell anstalten macht, zu helfen. Nimm die Sache selbst in die Hand, geh zu der betreffenden Person hin und schau einfach nach was los ist.

Hilf, so gut du kannst und spann umstehende Passanten ein

Wenn die betreffende Person wirklich Hilfe braucht, dann hilf ihr so gut wie du es ganz persönlich kannst. Hab dabei keine Scheu davor, andere Personen einzuspannen und zuzugeben, dass du etwas nicht kannst.

Wenn du zum Beispiel nicht weißt (oder dich spontan vor Aufregung nicht mehr daran erinnerst), wie man eine stabile Seitenlage macht oder den Puls fühlt, dann macht das überhaupt nichts. Frag einfach aktiv umstehende Passanten – und glaub mir, die werden da sein! – wer so etwas kann und fordere denjenigen dazu auf, dir JETZT zu helfen.

(Den Puls übrigens am Besten immer mit Zeigefinger und Mittelfinger an der Halsschlagader fühlen – niemals den Puls mit dem Daumen fühlen!)

Keine Angst vor dem Notruf

Wir alle haben mal gelernt, auf was es beim Absetzen eines Notrufs ankommt und welches die richtige Notrufnummer ist. Im Fall der Fälle passiert es aber schnell, dass einem vor lauter Aufregung gar nicht mehr einfällt, wie ein korrekter Notruf geht. Das ist aber überhaupt nicht schlimm und sollte dich niemals davon abhalten, den Notruf zu wählen.

Es ist völlig egal, ob du letztendlich beim Notruf, der Feuerwehr oder bei der Polizei landest, geholfen wird dir grundsätzlich immer. Die Mitarbeiter sind geschult darin, mit aufgeregten Personen umzugehen. Bleib einfach ruhig. Sie werden dir die richtigen Fragen stellen um genau das zu erfahren, was sie wissen müssen.

Last but not least: Bring dich niemals selbst in Gefahr

So wichtig Zivilcourage auch ist, eine Regel solltest du niemals vergessen: Bring dich niemals selbst in Gefahr. Es ist keinem verletzen oder hilflosen Menschen geholfen, wenn du dich bei einem etwaigen Rettungsversuch selbst verletzt. Bleib in solchen Fällen unbedingt in einem sicheren Bereich, wähle den Notruf und warte, bis qualifizierte Helfer eintreffen.

Nützlich machen kannst du dich natürlich trotzdem immer. Kümmer dich einfach darum, dass der Weg zum Verletzten so frei wie möglich ist, dass keine Gaffer im Weg stehen und zeige den Rettungskräften, wohin sie müssen.

And now it´s your turn

Ich wünsche niemandem, dass er in die Situation kommt, wirklich helfen zu müssen. Wenn es aber dir irgendwann doch passieren sollte, dann wünsche ich mir, dass du dich an diesen Text erinnerst und einfach mal mutig bist. Es könnte Leben retten!

Sei kein Gaffer, sondern Helfer!

 

P.S. Wenn du irgendwo dazu kommen solltest, wo schon Ersthelfer am Werk sind, dann solltest du dich natürlich nicht aufdrängen und auf Teufel komm raus irgendwas machen wollen. Du kannst natürlich immer nachfragen, ob du noch irgendetwas tun kannst, aber wenn dir die Helfer zu verstehen geben, dass die Situation unter Kontrolle ist, dann halte dich zurück. Und steh blos nicht im Weg rum!

 

3 thoughts on “Schau nicht weg, wenn jemand Hilfe braucht! Warum Zivilcourage so verdammt wichtig ist!

  1. Hallo Monica, wichtiges Thema, schöner Artikel!
    Auch an die beiden, die schon kommentiert haben: gut gemacht. Ich bin auch der Überzeugung, dass jeder helfen kann, und wer wenig oder kein Ersthelfer-Wissen hat, kann da sein, beruhigen, Zuwendung geben, andere mit ins Boot holen. – Ich bin z.B. einmal zu einem Autounfall – zum Glück nur mit Blechschaden, ohne Verletzte – gekommen. Da ich die erste war, habe ich die Polizei gerufen, ein Warndreieck aufgestellt, einen Anwohner gebeten, auf die andere Seite eins zu stellen, mit den beiden Unfallfahrerinnen gesprochen, gefragt, ob ich jemanden verständigen soll, gewartet, bis die Polizei kam… Lauter Kleinigkeiten, aber wichtig in so einem Fall. Umso wichtiger ist es, dazusein, wenn es Verletzte gibt.

  2. Ein wichtiges Thema! Ich habe bereits drei Mal den Notruf / Polizei anrufen müssen und ja, da pulsiert das Adrenalin. Aber man hilft! Und da sagt auch keiner spinnen sie? Lappalie! Da wird geholfen.

    Ich erinnere mich ungern daran, dass ich mal auf der Autobahn auf den Seitenstreifen fuhr, weil ein Mann liegen geblieben war und aus seinem Motorraum qualmte es. Die Autobahn war voll und es war Stau. Ich war die einzige, die anhielt.
    Der Mann war etwas durcheinander und ich habe ihn erst einmal zur Seite genommen. Meine Freundin lief die sich stauenden Autos ab und fragte nach Feuerlöschern. Wir fanden welche: gerade rechtzeitig, denn der Motor brannte auf einmal. Die Feuerwehr hatte ich zwischenzeitlich auch angerufen. Der Mann war total aufgeregt und obwohl er eigentlich deutsch sprechen konnte, war er da in dem Moment gar nicht in der Lage und sprach nur französisch (er kam aus der Schweiz). Ich spreche es zum Glück auch und so kamen wir dann endlich irgendwann an einen Punkt an dem er merkte : er ist nicht allein in einem fremden Land mit seiner kleiner Katastrophe. Das tat gut, zu helfen. Ich würde es immer wieder tun und bin dennoch erschüttert wie viele Leute einfach weiter gefahren sind, als da ein Auto auf der Autobahn brannte und wir augenscheinlich Hilfe brauchten.
    Naja. Wenn man die Welt verändern will, muss man bei sich selber anfangen.

    Alles Liebe,
    Doro.

  3. Ein wichtiges Thema! Mein letzter Erste Hilfe Kurs war der zum Führerschein vor Jahren…
    Vor 3 Jahren war ich auf einer Laufveranstaltung und ca 1 km vor dem Ziel ging es einer Frau sichtlich schlecht, sie saß am Rande der Strecke, umringt von ihren Laufpartnerinnen. Dennoch bin ich gemeinsam mit meiner Freundin kurz stehen geblieben, um zu fragen ob wir helfen können. Zum Glück hatte ich ein Handy dabei… In der Minute in der wir da standen und eine der Freundinnen den Mann anrufen wollte, damit er die zusammengeklappte Frau abholt, ist sie völlig kollabiert. Ich war total geschockt, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Meine Freundin (ebenfalls beim Roten Kreuz) hat sie erst mal in die stabile Seitenlage gebracht, ich habe den Notruf gewählt. Der Rettungsdienst bei der Veranstaltung war sehr schlecht organisiert, die Leitstelle konnte niemanden vor Ort erreichen und musste einen Wagen aus der Stadt losschicken. Zum Glück waren einige Ärztinnen und Krankenschwestern unter den Läuferinnen, die ebenfalls anhielten und halfen. Der Verletzen ging es immer schlechter, zum Glück waren Helfer vor Ort, die wussten, was zu tun ist, denn die stabile Seitenlage hat die Lage nur verschlimmert, die Dame bekam keine Luft mehr, dann Schnappatmung. Da ich selbst nichts tun konnte, habe ich einfach versucht die Verletze so gut es geht abzuschirmen und die vorbeilaufenden Läufer weiter zu schicken, wenn es sich nicht gerade um medizinische Fachkräfte handelte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen 2 freiwillige Rettungsdienstler mit dem Rettungsrucksack angeschlappt, denen habe ich erst mal Beine gemacht. Beide waren angesichts des dramatischen Zustands sehr überrascht… Zum Glück wusste meine Freundin, was die alles im Rucksack hatten, ansonsten wüsste ich nicht, wie das ausgegangen wäre. Der Zustand der Zusammengebrochenen war lebensbedrohlich, zum Glück enthielt der Rucksack einen Defibrilator & Intubationsset und zum Glück waren Helfer da, die das zu benutzen wussten. Wie aufs Stichwort kam der Notarzt, nach dem defibriliert und intubiert war und die Dame konnte ins Krankenhaus gebracht werden.
    Ich habe mich noch nie in meinem Leben so hilflos gefühlt. Und trotzdem habe ich alles getan was ich konnte, denn jeder kann etwas tun! Danach habe ich erst mal meine 1. Hilfe Kenntnisse aufgefrischt… Dennoch hoffe ich, dass ich sie nicht brauche und dass ich nie wieder mit ansehen muss, wie ein Herz wieder zum schlagen gebracht wird…

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