Reisen

Camping light – Waldromantik vor den Toren des Grand Canyon

Während wir langsam über eine staubige DirtRoad rumpeln, verdichtet sich vor uns der Wald. Rund 400 Meter müssen wir von der nächsten Straße entfernt sein, um mit unserem Chevrolet Suburban frei in der Wildnis stehen zu dürfen. Nach ein paar Metern, die sich anfühlen als wären wir in einer Rüttelmaschine gefangen, führt rechts ein schmaler Pfad noch tiefer in den Wald hinein. Wir biegen ab, rumpeln noch etwas weiter und stehen plötzlich auf einer Lichtung. Zum Parken wäre es hier ganz nett, finden wir. Und scheinbar dachten das vor uns auch schon andere, denn wir entdecken mehrere Feuerringe aus aufgehäuften Steinen, in denen offensichtlich erst ein paar Tage zuvor noch ein Feuer gebrannt hat. Weit genug von der Hauptstrasse entfernt sind wir ganz sicher und so beschließen wir, zu bleiben. Hier kurz vor dem Grand Canyon, irgendwo im Nichts – mitten im amerikanischen State Forest.

Unser Zelt ist schnell aufgeschlagen. Ist auch keine Kunst: Wir haben nämlich keins. Nur unseren gemieteten Chevy. Mit umgeklappten Rücksitzen, einer 29.- Dollar Luftmatratze von Walmart und unseren Schlafsäcken verwandelt sich der SUV in Nullkommanix in ein gar nicht mal so unbequemes Bett. Grandiose Aussicht inklusive. Und auch unser „Wohnzimmer“ ist schnell eingerichtet. Zwei Campingstühle in grau und pink, dazu eine Kühlbox, die neben dem Kühlen auch noch als Tisch dient. Fertig. Mehr brauchen wir hier draussen nicht.

 

Gut, ein Feuer wäre noch ganz schön, aber das muss warten. Als erste Amtshandlung in unserem neuen Reich lassen wir uns erst einmal in unsere Stühle fallen und stossen mit einer kühlen Dose Bud Light an. Auf uns, auf das Leben und auf die geniale Idee, einen SUV zum Camper Light umzufunktionieren. Kaum sind die Dosen leer, ist dann auch endlich das Feuer dran. Allerhöchste Zeit, denn langsam knurrt der Magen. Im Supermarkt haben wir uns ein paar Steaks besorgt. Und sogar ein kleines Blech als Rost. Feuerholz allerdings nicht. Wir wussten ja, dass wir in den Wald fahren. Dass das eine ziemlich blöde Idee war, merken wir allerdings schnell. So viel Holz zum verfeuern gibt es hier gar nicht. Und um ein paar Äste abzusägen, fehlt uns definitiv das Werkzeug. Zum Glück haben unsere Vorgänger ein paar ansehnliche Äste zurückgelassen. Vermischt mit Tannenzapfen kommen wir so doch noch zu einem ganz ansehnlichen Feuer. Und zu lecker gegrilltem Steak und ein paar Grilltomaten.

Nach dem Essen bricht schnell die Dämmerung herein und trotz Feuer wird es ziemlich frisch. Wir lassen das Feuer herunterbrennen, putzen im Schein der verglimmenden Glut die Zähne, gehen nochmal hinter einen Baum pieseln und verkriechen uns in unsere Schlafsäcke. Ein bisschen gruselig finde ich es hier ja schon, so ganz alleine im Wald. Und mir kommt vermutlich jeder einzelne Horrorfilm in den Sinn, den ich jemals gesehen habe. Trotzdem schlafe ich recht schnell ein und obwohl es nachts doch recht kühl in meinem Schlafsack wird, schlafe ich gut bis zum nächsten Morgen durch.

Der neue Tag begrüsst uns um 06:30 Uhr mit Nebelschwaden zwischen den Bäumen und Sonnenstrahlen, die bereits krampfhaft versuchen, den Nebel zu durchbrechen. Herrlich! So eine Aussicht hat man von keinem Hotel der Welt. Auf dem Baum gegenüber sitzt ein rotbraunes Eichhörnchen und schaut mich neugierig an. Als ich die Kofferraumklappe öffne, flitzt es davon. Kühle Luft dringt ins Auto und lässt mich frösteln. Wir ziehen uns schnell an, putzen die Zähne und genehmigen uns als Frühstück noch einen Becher Orangensaft. Keine 10 Minuten später sind unsere Campingstühle und die Kühlbox schon wieder im Auto verstaut, der Müll ist aufgesammelt und wir sind startklar. Next Stop: Grand Canyon.

Bye Bye Waldidylle

Rumpelnd fahren wir über die mittlerweile bekannte DirtRoad zurück. Der Wald lichtet sich und schon bald sehen wir die Hauptstrasse wieder. Ein überdimensional großes Luxus-Wohnmobil rauscht an uns vorbei. Hallo Zivilisation. Eigentich schade, dass wir schon wieder zurück sind. Ich hatte mich gerade an die Ruhe im Wald gewöhnt.

 

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